Elena Semechin: 5 Dinge, die ich gerne schon mit 20 gewusst hätte | Paralympics-Siegerin
Shownotes
Was hält einen Menschen aufrecht, wenn das Leben ihm gleich mehrere Urängste vor die Füße wirft – erst das Augenlicht, dann die Diagnose Hirntumor? Elena Semechin hat genau das erlebt und ist stärker zurückgekommen als je zuvor. Als Jugendliche verlor sie fast ihr komplettes Sehvermögen; heute hat sie noch zwei Prozent Sehkraft. Sie wurde zweifache Paralympics-Siegerin im Para-Schwimmen, überstand kurz nach ihrem ersten Gold einen Hirntumor mit OP, Bestrahlung und 13 Monaten Chemo – und verteidigte danach ihr Gold mit einem Weltrekord. Heute ist sie außerdem Unternehmerin, Speakerin und Mama. Wir sprechen darüber, wie aus einer vermeintlichen Schwäche ihre größte Stärke wurde, warum man sich fast auf Krisen freuen kann, wie sie Angst und Druck kontrolliert – und warum sie sich mitten in der Karriere ganz bewusst für ein Kind entschieden hat. Du erfährst... … warum Akzeptanz der erste Schritt ist, um aus einer vermeintlichen Schwäche deine größte Stärke zu machen … wie du dich auf Krisen vorbereitest und Schicksalsschläge in dein wichtigstes Learning verwandelst … wie Elena mit Angst, Druck und Erwartungen umgeht, ohne die Kontrolle zu verlieren … warum klare Ziele dir gerade in den härtesten Phasen Struktur und Halt geben __________________________ ||||| PERSONEN ||||| 👤 Joël Kaczmarek, Geschäftsführer digital kompakt 👤 Elena Semechin, Geschäftsführerin der else Sport und Marketing GmbH, Profischwimmerin, Paralympics-Siegerin und Weltmeisterin __________________________ ||||| SPONSOREN ||||| 🔥 Übersicht aller Sponsoren __________________________ ||||| PLAYLISTS ||||| Lust auf mehr? Entdecke unsere Playlists mit weiteren spannenden Episoden zum Thema: 🎧 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte __________________________ ||||| LEXIKON ||||| Du verstehst nur Bahnhof? Zu viel Fachchinesisch? Unser Lexikon hilft dir dabei, die wichtigsten Fachbegriffe zu verstehen: 🔹 Sehbehinderung - Einschränkung der Sehfähigkeit, die das Alltagsleben und die Orientierung beeinträchtigen kann. 🔹 Sehkraft - Maß für die Leistungsfähigkeit des Sehens (z. B. Prozentsatz oder Visus). 🔹 Sehrest - Verbleibende Sehkraft bei einer fortschreitenden Augenerkrankung. 🔹 Blindheit - Vollständiger Verlust der Sehfähigkeit oder sehr starke Einschränkung mit kaum nutzbarer Vision. 🔹 Makuladystrophie - Erkrankung der Makula (Netzhautmitte), die zu Sehverlust und typischerweise zu zentraler Sehschwäche führt. __________________________ ||||| KAPITEL ||||| \*\*(00:00:00) Von zwei Prozent Sehkraft zu Paralympics-Gold\*\* \*\*(00:08:40) Die Diagnose: Irgendwann werde ich ganz blind\*\* \*\*(00:16:24) Wie funktioniert Spitzensport mit zwei Prozent Sehkraft?\*\* \*\*(00:25:27) Behinderung, Ausgrenzung & Selbstwert\*\* \*\*(00:34:26) Resilienz: Was Niederlagen uns beibringen können\*\* \*\*(00:42:40) Speakerin, Unternehmerin & Mutter im Profisport\*\* \*\*(00:49:21) Gehirntumor, Chemo – und trotzdem weitertrainieren\*\* \*\*(00:57:55) Nach dem Krebs: Weltrekord, Mutterschaft & LA 2028\*\* __________________________ ||||| WIR ||||| 🧢 Ich bin übrigens Joël, der Macher dieses Podcasts. Ich bin ein Creator und Medienunternehmer, der für Wachstum und Vielfalt steht. Mein Vorgehen besteht darin, dass ich inspirierende und erfolgreiche Menschen interviewe, um von ihnen zu lernen und Wissensabkürzungen für dich und mich aufzutun. 👉 In meinem Podcast digital kompakt | Next Level geht es um das Thema Wachstum in den Bereichen Business, Lebensgestaltung und Gesundheit 👉 In meinem Newsletter fasse ich dir Jeden Freitag die besten Learnings aus meinen Podcasts zusammen sowie viele weitere Einsichten aus meinen Aktivitäten. 💛 Abonniere „digital kompakt | Next Level“ auf Apple Podcasts, Spotify & Co. Wenn dir die Folge gefallen hat, hinterlasse uns bitte eine Fünf-Sterne-Bewertung! 👥 Wir streben die Verwendung einer geschlechtsneutralen Sprache an. In Fällen, in denen dies nicht gelingt, gelten sämtliche Personenbezeichnungen für alle Geschlechter.Transkript anzeigen
00:00:00: Ich hab dann ja auch Freunde gehabt, die dann nicht wirklich wussten, dass ich schlecht sehe.
00:00:04: Ich habe das auch niemanden gesagt und hab das immer versucht zu kaschieren.
00:00:08: Und es hat mir so viel Energie gekostet!
00:00:11: Weil ich mich verstellte, ich war nicht ich.
00:00:14: Darüber bin ich traurig, dass es mir wichtiger war, was die Menschen von mir halten über mich denken als das, was ich eigentlich bin.
00:00:21: Anders sein ist total cool, man fällt auf... Man kann das genießen, man kann es für sich als Stärke nutzen.
00:00:29: Das was ich ja jetzt auch mache.
00:00:31: Ich arbeite damit, ich inspiriere Menschen damit und gebe Menschen Kraft, Zuversicht, Mut... Und mich selbst erfüllt das auch komplett!
00:00:41: Und ich weiß, ich bin nicht umsonst auf dieser Welt.
00:00:48: Hi, five Leute hier ist Joel und ihr kennt das.
00:00:51: Am Mittwoch spreche ich immer mit inspirierenden Menschen die ich danach befrage was denn die fünf Dinge sind die sie gerne schon mit zwanzig gewusst hätten weil am Wisdom Wins der geht es ja um persönliches Wachstum.
00:01:00: Und heute habe ich eine Frau zu Gast, die habe ich schon ein bisschen kennenlernen dürfen.
00:01:04: Weil man sieht es bei mir im Hintergrund wer auf YouTube oder Spotify mit schaut und ich produziere unter anderem den Podcast der Olympia Bewerbung von Berlin.
00:01:10: Da war auch schon mal die liebe Elena Semmichin zu Gast.
00:01:12: Ich hab dem beigewohnt, ein bisschen mitgekriegt und gemerkt oha!
00:01:15: Was hat die denn bitte für eine krasse Lebensgeschichte?
00:01:18: Weil die liebe Elena ist Schwimmerin und nicht irgendeiner.
00:01:20: sie is Paralympische Schwimmerinn.
00:01:22: da hat sich schon zwei Goldmedallinen abgesahnt wenn ich richtig in Erinnerung habe in Paris Beijing, also im Peking.
00:01:29: Und auch sonst ... Ich bin mal gespannt, ob sie noch alle Medaillen zusammenkriegt?
00:01:32: Wenn ich es richtig erinnert hab, drei Mal Gold bei den Weltmeisterschaften, siebenmal bei der EM und eben zwei Mal bei den Paralympischen Spielen.
00:01:38: Auch sonst hat sie selber bewegt das Leben.
00:01:40: Paralyempisch in ihrem Fall heißt, sie hat nur zwei Prozent Sehkraft.
00:01:44: Als wenn das nicht genug wäre, hatte sie einen Gehirntumor in ihrem Leben.
00:01:48: Ich kenne die Geschichte gar nicht so detailliert, weil ich habe quasi nebenan zugehört.
00:01:51: Aber was ich dann mitgekriegte, aber auch im Off-Talk, hat mich schon so bewegt, dass ich dachte okay... Da muss ich mal reintauchen.
00:01:57: Dieser Mensch hat offensichtlich sehr viel erlebt in seinem Leben und wie man das ja so kennt, wenn man durch Täler geht und über Berge hinweg dann erlebt man einiges.
00:02:04: Deswegen bin ich sehr neugierig.
00:02:05: die Beänderung.
00:02:05: Schön dass du da bist!
00:02:07: Hallo zusammen.
00:02:08: Danke für die Einladung.
00:02:09: Ich freue mich auf unser Gespräch.
00:02:11: Ich musste dich auch direkt korrigieren.
00:02:12: Das war Tokyo und Paris.
00:02:14: Ah, Tokyo?
00:02:15: Sie ist verpeckt und gesagt...
00:02:17: Fast fast.
00:02:17: Man merkt man sich fünfzehn Sachen
00:02:19: unter einer.
00:02:20: Also irgendwie überhaupt nicht schlimm.
00:02:22: Na gut, aber danke für die Korrektur.
00:02:24: Kriegst du denn selber noch zusammen was du alles gewonnen hast?
00:02:26: Weil ich habe jetzt die ganzen Silber- und Bronzemedaillen alle unterschlagen!
00:02:28: Aber man darf sagen, du bist glaube ich eine wirkliche Top-Athletin in deinem Feld.
00:02:32: Ach das passt so wie du das gesagt hast, zusammengefasst, dass es völlig ausreichend ist.
00:02:37: Ich frage ja immer neugierig am Anfang, wie alt Menschen sind weil er auch spannend ist von worauf wir zurück gucken auf die zwanzig.
00:02:42: Wie ist's bei dir?
00:02:46: Okay, also zwölf Jahre sozusagen in der Rückschau.
00:02:48: Aber ich würde mal sagen, in deinem Fall sind diese Zwölfjahre wahrscheinlich sehr dicht gepackt weil ... Ich weiß ja Leistungssport ist auch sehr intensiv und es passiert dir sehr viel.
00:02:56: Bin ich einmal gespannt!
00:02:57: Also was ist los so?
00:02:58: Dein erstes Ding, erzähl mal, was hättest du gerne schon mit zwanzig gewusst?
00:03:01: Ja du sagst das zwölft Jahre hören sich wenig an aber wirklich schon sehr sehr viel erlebt.
00:03:07: die erste Sache die ich gerne mit zwantzig gewusst hätte ist, dass ich eines Tages meine Behinderung, da das sehr vorhin schon im Interesse erwähnt.
00:03:14: Ich habe noch zwei Prozent See rest und ich bin ja nicht von der Geburt aus sehbehindert oder blind sondern sie kam über die Pubertät.
00:03:23: Das heißt, ich war mal vollsehend und dann also mit neun oder zehn Jahren kam so die ersten Anzeichen, dass irgendwas nicht stimmt und dann ging es in der Pubertäte richtig rasant bergab mit der Seelkraft.
00:03:36: Genau da in dieser Phase, wo die Welt sowieso so schön ist.
00:03:40: Popatät alles andere als schön kam eben diese Verschlechterung und ich habe unfassbar lange mit mir gehadert weil ich einfach anders war das heißt Ich war überall auffällig.
00:03:54: Und dann wenn in der Zeit als ich dann noch schlechter sehen konnte auch die Bücher nicht mehr lesen konnte von der Tafel nichts ablesen konnte.
00:04:02: Habe ich mich extrem zurückgezogen, war in sich gekehrt, schüchtern total unsicher ängstlich und habe ganz lange versucht die Sehbildung zu kaschieren weil ich einfach so sein wollte wie alle anderen Menschen Aus meinem Kreisen, ich komme ja auch gebürtig aus Kasachstan.
00:04:18: Hab auch in Russland gelebt ein paar Jahre.
00:04:20: und wenn man da einen Mensch mit einer Behinderung ist dann wird einem mir immer suggeriert du bist nicht gut genug, du darfst hier nicht dabei sein, du musst zu Hause beschult werden und irgendwie kann aus dir nichts werden.
00:04:33: und das hat mich natürlich geprägt und hätte ich mit meinen zwanzigeren gewusst dass sich eines Tages diese Behinderungen akzeptiere und diese vermeintliche Schwäche, die ich da für mich damals so gesehen habe als Stärke sozusagen Nutzer oder Umwandel.
00:04:51: Das hätte ich gerne gewusst das hätte mir um einiges des Leben erleichtert.
00:04:55: Und es hat relativ lange gedauert bis sich das für mich akzeptiert habe dass ich nun mal so bin wie ich bin.
00:05:01: aber alles ist dann soweit war hat sich mein Leben nochmal wirklich gedreht und ich hatte ein erfülltes und glückliches Leben.
00:05:09: Ja, ich wollte grad sagen.
00:05:10: Also es ist ja jetzt sogar so dass vielleicht Menschen die früher dich nicht inklusiv behandelt haben jetzt von dir lernen können weil du bist ja sogar als Speaker mittlerweile aktiv.
00:05:20: also das du zu Unternehmen gehst hier eher da draußen alle die geile Firma, ich weiß mir wenn viele zu die Unternehmen haben super spannend wie ihr hier merkt aber du bringst ja sogar Leuten was bei, also das was du sozusagen da überkommen hast ist eigentlich heute das woraus du schöpfst.
00:05:34: Trotzdem hab ich ja auch gerade so bei dir rausgehört, dass das die wahrscheinlich sensibelste Phase war in der dich das irgendwie getroffen hat.
00:05:40: Die man wahrscheinlich haben kann für sowas weil man findet eh seinen Platz in der Welt und dann gerät es alles noch ins Wanken.
00:05:47: Wie hast du das denn durchgestanden und verarbeitet?
00:05:49: Also wie bist du denn sozusagen an diesem Punkt gekommen wo du heute bist
00:05:53: Du sagst es, also Speakerin.
00:05:55: Das hätte ich damals mit meinen zwanzigern auch gerne gewusst, dass ich irgendwann mal wirklich international auftrehte als Speakerin und mit meiner Geschichte Menschen inspiriere.
00:06:04: Man kann jetzt sehr auch irgendwie sagen, ich verdiene jetzt mit meiner seberen Geld.
00:06:08: Also meine Schwäche wurde so stärker!
00:06:11: Und ja, damals ... die Phase, also prägend wie das für mich war, das war ein sehr großes Learning für mich.
00:06:19: Gerade damals, als ich Anfang Zwanzig war war das für mich eine wichtige Gefahr, seit ich den Parasport für mich entdeckt habe.
00:06:27: Und ganz viele Beispiele ja auch gesehen hab, dass Menschen denen es vielleicht durchaus schlechter vielleicht sogar noch geht mit ihrer Einstrengung die aber so eine Lebensfreude und dieses Gefühl von Glück einfach ausgestrahlt haben.
00:06:44: Es hat mich super eindruckt und ich hab gesagt ey also ich mit meiner Sebelnennung hier Ich kann ja auch wirklich nicht gut damit leben.
00:06:53: Es liegt ja in mir, ich muss das einfach akzeptieren und mir muss klar sein, ich kann es nicht ändern.
00:07:00: entweder ich lebe damit oder ich werde mein Leben lang mich verstecken und mich unwohl fühlen.
00:07:05: Und als ich diesen Punkt hatte ... Das hat bei mir wirklich so Klick gemacht, habe ich eigentlich alles umgestellt und Stück für Stück hab ich mich immer mehr und mehr damit befasst und damit dann irgendwann frei locker umgegangen, weil ich muss auch sagen wenn man eine Behinderung hat, muss man sich ein dickes Fell zulegen.
00:07:26: Die Gesellschaft ist vielleicht nicht ganz dafür vorbereitet und Barrierefreiheit ist noch ausbaufähig aber nichtsdestotrotz muss ich sagen dass mich nachhaltig geprägt hat und ich bis heute davon mein Nutzenzieher.
00:07:43: Okay, also wir haben sogar schon ein zweites Ding von dir gestriffen.
00:07:45: Da können wir gleich noch mal draufkommen.
00:07:46: aber wenn du gerade sagst dass du deinen Nutzen vonziehst was... Also es gibt ja oft so diese Sachen.
00:07:51: würdest du was ändern in deiner Vergangenheit?
00:07:53: Fragt man ja manchmal Menschen und selbst wenn schwierige Dinge passieren höre ich öfters bei Leuten das ist nicht ändern würden weil meistens lärts ein Ja-Was oder es bringt einen an einen Punkt bis formt die Persönlichkeit und und und oder bringen den auch mit anderen Menschen zusammen.
00:08:05: Was sagst du denn sowas in der Rückschau?
00:08:07: was ist was dir dieser Krankheit oder dieses Problematik mitgegeben hat?
00:08:11: Positives!
00:08:12: Hm, ja das ist natürlich schwierig zu sagen.
00:08:15: Natürlich wünsche ich mir dass ich diese Lebenszeit die ich gelitten hab retten hätte können in dem mich das einfach früher akzeptiert hatte für mich aber wie du schon sagst wer weiß wozu das gut war.
00:08:29: vielleicht wäre ich dann sonst gar nicht im Parasport gelandet und von daher es ist schon gut so wie's ist da will ich gar nicht dran rütteln.
00:08:40: Und damit ich vielleicht immer dieses Krankheitsbild ein bisschen besser verstehe, ist es irreversibel oder hast du auch nochmal Chancen das sich etwas daran bessert?
00:08:48: Gibt's so wie neue Techniken die entstehen oder warst du an einem Punkt wo unausweichlich ist dass du das auch akzeptieren musst.
00:08:55: Es ist sein Gen-Defekt.
00:08:57: Das heißt Ich habe eigentlich ganz lange mit einer Diagnose gelebt Die heißt Marco la Dystrophie.
00:09:02: Und dann, im Jahr zwanzig, war ich in einer Klinik und hab das noch mal untersuchen lassen.
00:09:08: Weil ich die Hoffnung hatte, dass sie mir noch bleiben.
00:09:14: Ich wollte auch herausfinden, ob es inzwischen Gehentechniken gibt, die meine Krankheit aufhalten können oder sogar verbessern.
00:09:23: Bin da also ganz hoffnungsvoll hingefahren.
00:09:28: Teil des schockierenden Ergebnisses – und zwar hieß es dann, wir müssen Ihre Diagnose nachkorrigieren.
00:09:34: Das ist eine schlechtere Diagnosa.
00:09:37: Und das ist eigentlich ganz sicher bis sehr wahrscheinlich, dass sie irgendwann ganz blind werden.
00:09:43: Weil früher sind wir davon ausgegangen, dass nur die Netzhaut betroffen ist Und da kam jetzt raus, dass eigentlich die ganzen Bereiche im Auge betroffen sind.
00:09:53: Also ich hatte auch noch so ein paar Insel, die hier noch funktioniert haben und die sind wohl jetzt auch im Moment am Abbau.
00:09:59: Das hab' ich dann selber gemerkt.
00:10:00: Wie ging's dir damit?
00:10:01: Es muss ja an Niederschmittern sein!
00:10:03: Ja das war auch in der ersten Momente komplett schockierend für mich.
00:10:06: Das war unerwartet.
00:10:08: ne, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet habe... ...ja aber auch da hatte ich ja mein Learning aus dem früheren Leben.
00:10:14: Habe ich gesagt ey okay, ich hab jetzt damit gelebt.
00:10:17: Was bringt mir das, hier auch noch mal ein Drama draus zu machen?
00:10:20: Zu sagen, boah.
00:10:22: Jetzt habe ich mich komplett wieder verloren, weil ich jetzt noch eine neue Diagnose bekam und hab gesagt okay kann man nichts ändern.
00:10:31: dann akzeptiere ich das jetzt so und genieße noch die Tage, die ich mit meinen zwei Prozent habe.
00:10:38: Das ist ja für mich die Welt.
00:10:39: also es klingt wahrscheinlich wenig aber Guck mal, ich sehe ein bisschen Farben.
00:10:43: Ein bisschen Umrisse.
00:10:44: Damit kann ich mich schon ein bisschen orientieren und hab meinen Stöckchen immer mit.
00:10:47: Und den Rest kriegt man auch irgendwie hin?
00:10:50: Gab's so einen Punkt, den du in Erinnerung hast, wo die Wahrnehmung bei dir gewechselt ist, wo so ein Schalter umgelegt war, wo du das anders angenommen hast oder vielleicht nicht im Hadern mehr warst – falls du das jemals warst kannst du dir mal beschreiben -, sondern wo du so eine neue Form des Umgangs gelernt hast für dich!
00:11:09: Ja, das war quasi als ich dann im Sport relativ erfolgreich wurde.
00:11:15: Da kam auch die Selbstsicherheit und Zuversicht, dass ich was aus meinem Leben machen kann.
00:11:22: Weil wenn man immer gesagt bekommt, du hast dir Wirt nichts, weil ... Und du dann aber irgendwann so ein Ventil für dich findest, dass du sagst okay Ich kann was!
00:11:33: Sondern ich würd's auch mir und allen anderen Menschen beweisen Das hat schon was mit mir gemacht, absolut.
00:11:38: Also der Sport hat da wirklich eine sehr große Rolle in meinem Leben gespielt, dass ich mein Leben komplett in einer anderen Richtung entwickeln konnte und das hat sich ja bis heute gelohnt diesen Weg zu gehen.
00:11:51: Ich muss auch gestehen, ich bin stürmerin geworden nicht weil ich gerne im Wasser bin sondern ganz hingegen.
00:11:56: Ich bin total ungern im Wasser.
00:11:59: aber das war damals für mich meinen Ausweg aus der Situationen, in der ich war.
00:12:03: Und bis heute ist der Schwimmsport so das tollen die Welt für mich.
00:12:08: Ich habe ja wirklich unfassbar viel erreicht in dem Sport, weil ich diese Ziele hatte und es hat mir unfassbär viel Kraft gegeben aus meinem Leben etwas zu machen und nicht
00:12:20: aufzugeben.".
00:12:22: Ich weiß, ich hab mit Raul Krauthausen öfters mal schon gepodcastet.
00:12:26: Der hat ja diese Glasknochen-Krankheit und der hat mich sehr intensiv dafür sensibilisiert wie wenig eigentlich die Gesellschaft auf Inklusion ausgerichtet ist.
00:12:36: also wenn du ein Rollstuhl hast viel Spaß dann mit der Bahn voranzukommen.
00:12:40: Also ich fand das ein schockierendes Trauerspiel was er mir da erzählt hatte egal ob es jetzt Busse, Bahnen sind und Co.
00:12:46: Der hat es immer so beschrieben, dass gerade Menschen mit Behinderungen häufig in Schulen eingefärgt werden.
00:12:52: Das ist ein bisschen das wie du's auch im Anfang geschrieben hast.
00:12:54: Man wird separiert und irgendwie unter seines gleichen Anführungsstrichen gesetzt... ...und abgekapselt was ja total un Dankbarer Vorgang ist.
00:13:03: Und jetzt hast du grade am Anfang erzählt bremst mich bitte immer wenn das auch unangenehm ist, ja.
00:13:09: Dass es in Russland sozusagen nochmal auf Styroiden auf einer Art passiert ist also dass es da noch intensiver war, dass so diese Mentalität die da vielleicht herrscht im Kasachstein wo du groß geworden bist... Das ist doch mal ganz anders rüber kamen!
00:13:19: Wie bist Du damit groß geworden?
00:13:21: Wie hast Du das auch erlebt?
00:13:22: wie hast Dich daraus befreit?
00:13:23: Also ich hab jetzt schon gelernt der Sport
00:13:24: Ja
00:13:25: Aber war das ein bisschen die Zündung die das hat überwinden lassen?
00:13:29: Komplett.
00:13:30: Das war genau das, was ich gebraucht habe in dem Moment.
00:13:32: Gib mir irgendwas und ich werde aus mir
00:13:35: herausbrechen.".
00:13:36: Ich war ja damals sehr, sehr schüchtern- und zurückhaltend und in mich gekärrt.
00:13:41: Und als ich diese Chance gesehen hab diesen Sport und die Möglichkeit, die mir da geboten wurde durch die Schwimmerei, habe ich gesagt okay wenn ich das mache dann richtig, dann möchte ich aber auch Paralympicsiegerin werden?
00:13:54: Dann zieht es durch!
00:13:56: Allerdings... Hätte ich nie gedacht, dass ich das dann so lange mache.
00:14:00: Ich meine, ich hab ja dann, zwanzigundzwanzig ... Meine erste Goldmedaille in Tokio geholt und ich dachte okay jetzt habe ich mein Ziel erreicht.
00:14:08: Das hat ein bisschen gedauert, zwölf Jahre aber ich hab es erreicht!
00:14:12: Aber nein, das steht übrigens auch auf meinen fünf Sachen die ich gerne gewusst hätte.
00:14:18: Ich hatte gerne gewusst, dass sich mich auf LA-Zweitausendzwanziger vorbereite.
00:14:24: Ja, so schnell geht's.
00:14:27: Ich bin schon seit einigen Jahren dabei und die Spiele in der LA werden meine fünften Spiele sein.
00:14:33: Das ist verrückt, wenn man das überlegt.
00:14:35: Früher habe ich gesagt zu Menschen, die so lange Sport gemacht haben, haben sie kein anderes Leben.
00:14:39: Und ja, ich hab irgendwie kein anderes Leben mehr!
00:14:42: Es ist der Sport und es ist nicht nur der Sport, sondern auch das Leben drumrum.
00:14:45: Ich sehe mich inzwischen nicht als Elena die Sportlerin.
00:14:49: Klar, ich mach noch Profi-Sport klar Aber ich bin ja inzwischen auch Unternehmerin und Speakerin.
00:14:55: Und habe einige soziale Projekte, die ich noch nebenbei betreue – durch meine Erkrankung mit dem Gehirntumor.
00:15:04: Da hab' ich jetzt auch einige Organisationen, die Ich unterstütze als Botschafterin zum Beispiel.
00:15:10: Mein Leben ist so vielfältig geworden!
00:15:13: Auch jetzt als Unternehmerinnen ist es auch ein komplett neues Leben für
00:15:17: mich.".
00:15:17: Das ist auch übrigens auch noch so eine Sache.
00:15:20: Ich hätte gerne gewusst mit zwanzig, dass ich irgendwann mal Unternehmerin werde und eine eigene Firma haben werde.
00:15:27: Dann würde ich vielleicht einen anderen Berufszweig damals wählen?
00:15:31: Ich habe damals Physiotherapeutin gelernt und ich hatte lieber ... oder lieber kann man nicht sagen es hat mir schon auch im Sport sei geholfen.
00:15:40: aber Ich hatte mich gerne mehr mit Themenfinanzen befasst, Firmestrukturen, Steuern.
00:15:48: All das was ich jetzt Stück für Stück mir selber aneignen muss hätte ich schon gerne früher
00:15:53: gemacht.".
00:15:55: Okay, ich sehe schon wir würden immer die fünf Dinge voll durcheinander.
00:15:57: also da hangeln wir uns so durch.
00:15:59: Ja!
00:15:59: Ich bin ja jetzt auch mal noch ein Ticken neugierig auf diesen Sport weil... ...ich habe mich so gefragt Also wenn man jetzt Paralympisch schwimmt Wonach wird denn da sortiert?
00:16:09: Also gibt's dann irgendwie eine Kohorte, das sind alle Menschen die nicht sehen.
00:16:14: Eine Kohorte ist ein Menschen, die einen Bein oder einen Arm oder vielleicht mehrere Gliedmaßen fehlen.
00:16:19: Gibt es da so Art Klassengruppierungen liegen und wonach führt man das denn zusammen?
00:16:24: Ja genau so.
00:16:25: wir haben verschiedene Startklassen die ganz blinden, die schwimmen unter sich und dann haben wir zwei Sehbühnertenklassen.
00:16:34: Da sind dann die etwas bessersehenden bis zu zehn Prozent und die schlechter sehenden unter fünf Prozent.
00:16:41: Aber das ist immer sehr schwierig weil diese Überprüfungsmethoden bei uns im Klassifizierungssystem recht einfach sind.
00:16:50: Und da gibt es jedes Mal Streit, will ich nicht sagen, man schaut sehr viel unruhen, nicht ganz klar definieren kann zum Beispiel.
00:17:00: Und dann gibt's natürlich eins bis zehn, die Stadtklasse eines bis zehn.
00:17:03: da sind die körperlich eingeschränkten und da wird auch je nachdem wie viele sie noch übrig haben, eins ist ja eigentlich fast nichts also quasi Torso oder noch ein paar Stümmelchen und sonst es zehn ist dann zb so was wie einen Klumpf Fuß.
00:17:20: Die sind schon wirklich sehr schnell unterwegs, schwimmen auch im olympischen Bereich teilweise mit Und als Vierzehn haben wir auch noch, da sind die geistig eingeschränkten.
00:17:29: Also du siehst, wir haben drei unterschiedliche Kategorien und ich muss auch sagen gerade in den Sebenattenklassen kommt es immer wieder zu großen Diskussionen weil sich ganz viele Sportler aus dem olympischen Bereich ja reinschummeln können.
00:17:47: Wir können einfach sich Unterlagen holen vom Arzt und sagen ja ich habe hier was und dann kommen Sie zwar zur Klassifizierung aber haben sich dann so mehr oder weniger reingeschiedet.
00:17:58: Und das ist wirklich bei uns ein großes Problem neben den Doping, was man sowieso um Sport hat diese Betrugsfälle in der Klassifizierung.
00:18:08: Aber das führt jetzt sehr tief in die Materie.
00:18:10: Ich finde
00:18:10: es total spannend weil ich habe erst so gedacht dass... Ich hab mich dabei ertappt, dass ich auch gefragt habe ob da nicht Leute simulieren und hab gedacht, ob das so eine typische Krankheit ist von Leuten die gar nicht von der Bindung betroffen sind.
00:18:22: Dass man dann so was unterstellt aber es ist ein reales Problem, was da herrscht?
00:18:27: Ja ja!
00:18:27: Das ist ein absolut reales problem.
00:18:28: Das ist ja auch bei den Nährwahlenerkrankungen kann man dann auch quasi manipulieren um die Krankheit zu einer schlechteren machen.
00:18:36: Das kommt auch vor.
00:18:38: Und bei den Seben hatten wir gesagt... Man hat ja einfach mal was mit den Augen.
00:18:42: Man trägt irgendwie eine Brille oder man sieht nicht ganz hundert Prozent und in manchen Ländern kannst du ja so ne Diagnose oder so ein Untersuchungsunterlagen einfach erkaufen, das wird dann eingereicht und damit kannst du dann zu einer Klassifizierung zugelassen werden.
00:18:57: und wenn du Glück hast und das gut geübt hast diese Klassifikierungsverfahren kannst du dich dann reinschummeln Und dann mit den Sebenernten, die wirklich schlecht sehen schwimmen.
00:19:08: Obwohl du eigentlich aus dem olympischen Bereich kommst und ein Top-Sportler bist?
00:19:12: Das ist schon hart unsportlich finde ich!
00:19:14: Ist schon unfair ja, es ist schon bitter.
00:19:19: Wie kompetitiv ist dein Sport?
00:19:21: Es ist sehr hart auf dieses Niveau vorzudringen.
00:19:24: oder würdest du sagen... ...es ist schon ein merklicher Unterschied?
00:19:27: Es gibt schon auch keinen Unterschied da klar.
00:19:31: Ich muss aber sagen, das entwickelt sich Jahr zu Jahr immer mehr in Richtung Olympischen Sport.
00:19:37: Also das Niveau wird immer besser und ich fühle mich auch bei Nicht-Behindertenwettkämpfen mit.
00:19:43: also ich würde sagen im deutschen Raum würde ich in einem Halbfinale bei den deutschen Meisterschaften auch mitschwimmen.
00:19:52: Krass!
00:19:53: Also ich würde auch so unter die top fünfzehnte deutschen Brustschirma reinkommen wenn nicht sogar Top zehn, wenn ich fit bin
00:19:59: Muss man nicht als Schwimmer gefühlt, einst neunzig groß sein und so einen Kreuz wie so'n Ochse haben?
00:20:03: Also bei den Männern.
00:20:04: Ich verstehe, dass man dem Franzi von einem sieht, die kommt mir auch in den Kopf pucken also das ist ja nicht größer so n Ding!
00:20:09: Ja, das stimmt.
00:20:10: Erst mal auch meistens so mit nem wirklich breiten Kreuz.
00:20:13: aber ich bin ja Brustschwimmerin Man sieht es mich eigentlich gar nicht an Und ich schwimm aber ganz viel aus den Beinen.
00:20:19: Deswegen bin ich auch wirklich unter den Schwimmerinnen eher so... Ein Lauchy.
00:20:26: Ich könnte mich verstecken hinter den Mädels, die Schmetzschwürmen oder Kraul.
00:20:29: Weil sie haben wirklich mehr Masse im Kreuz und ich sehe dann halt aus wie eine kleine Schwimmerin.
00:20:35: Was
00:20:35: hat man für Muskulatur beim Brustschwimmen, die man nicht beim Kraulen hat?
00:20:38: Oder umgekehrt?
00:20:39: Ich schwimm das mehr aus den Beinen.
00:20:40: Ich hab wirklich viel Power in den Oberschenkeln und schwimme das auch so einen sehr guten Beinschlag.
00:20:45: Und die Arme sind bei mir wirklich sehr schwach leider aber ich arbeite dran!
00:20:50: Ich habe ja gesagt LA-Aftundzwanzig steht vor der Tür.
00:20:53: Und wie gelingt einem das, wenn man fast nichts sieht im Becken?
00:20:57: Also ganz krass ist, dass wenn man gar nix sieht, dass man diesen Anschlag hinkriegt.
00:21:00: Das ist dann auch mit Geräuschen, dass die irgendwie Summen Geräusche machen.
00:21:03: oder wie gelängt euch das, dass ihr genau diesen Punkt trefft?
00:21:06: Ja es gibt Tab-Stocks
00:21:08: d.h.,
00:21:08: wenn du schwimmst kannst du von deinem Trainer da am Rand steht angetippt werden.
00:21:14: Quasi da übst du das vorher, ein Meter oder zwei Meter vorher.
00:21:16: Wirst du angetippt und weißt okay jetzt kommt die Wand?
00:21:19: Das habe ich aber bis jetzt noch nie ausprobiert.
00:21:21: Ich hab mich immer gerne auf mich selbst verlassen.
00:21:24: Ich mach das indem ich zum Beispiel die Züge zähle.
00:21:28: als Broschonern kann man das recht gut machen.
00:21:30: Aber das ist natürlich keine hundertprozentige Garantie dass es am Ende auch wirklich eins zu eins aufgeht so.
00:21:35: Das heißt ganz vieles dann Routine und ja Aufglück!
00:21:40: Die Wände soll schon sitzen.
00:21:42: Und dann, der Anschlag ist eigentlich egal.
00:21:44: Da wirst du sowieso die schnellste sein und wenn du dich verletzt, dann ist das so.
00:21:47: Ich verletze mich sehr oft.
00:21:49: Ich habe mir schon beide Hände gerissen gebrochen... Ganz oft?
00:21:53: Ja!
00:21:54: Das passiert dann.
00:21:56: Aber das Schwierigste ist gar nicht mal so die Wende oder der Start.
00:22:02: Das Schwierige ist wirklich die Technik zu erlernen.
00:22:05: Wenn du jetzt deine Augen zumachst und ich versuch dir Ballett beizubringen wie mache ich das wenn du jetzt komplett blind wärst.
00:22:11: Ich kann dir ja nix zeigen!
00:22:13: Das heißt, ich muss diese Bewegungsabläufe erst mal am Körper spüren.
00:22:18: Das heißt mein Trainer muss dann wirklich meinen Handgelenk nehmen zum Beispiel und das ganz spezielle einstellen und sagen hier muss der Winkel noch zehn Grad weiter nach unten, nach oben, whatever... Und bei uns geht es ja wirklich um Perfektion.
00:22:30: Das heisst da sind keine großen Bewegungen sondern minimalste Winkelveränderung in den Gelenken.
00:22:35: Und das dann zu verinnerlichen und ins Wasser irgendwann zu transportieren, ist schwer.
00:22:42: Sehr sehr schwer!
00:22:42: Das braucht sehr viel Zeit, sehr viel Geduld... ...und ja auch manchmal Fantasie.
00:22:49: Ich mag den Sport irgendwie.
00:22:50: Ich glaube ich habe auch so ein bisschen eine besondere Beziehung zu weil mein Opa war jahrelang Präsident von mir.
00:22:54: Ich glaub erst Berliner- und dann deutschen Sportverband Und ich hab dann irgendwann mal als er gestorben, ist die ganzen Postkarten noch gefunden.
00:23:00: Wo er immer von den ganzen Schwimmorten geschrieben hat.
00:23:02: Irgendwelche italienischen Städte und rückwünschten Spiele waren und so.
00:23:05: Cool!
00:23:06: Ich find das ein sehr intensiven Sport.
00:23:08: also auch gibt ja so vieles im Wasser was krasses.
00:23:09: Auch
00:23:10: Wasserball
00:23:10: oder... Also Tom springe habe ich auch so meinen Respekt und so deswegen.
00:23:13: Ich finde Wasser ist schon irgendwie.
00:23:15: Also ganz ehrlich, wenn ich jetzt drüber spreche denke, finde ich hast du dir eigentlich was Krasses ausgesucht.
00:23:20: Weil Wasser ist ja auch mit solchen Ängsten assoziiert.
00:23:24: Ich weiß zum Beispiel für mich war damals als ich ein kleiner Steppke war ... Ich hab mich nicht getraut vom Dreimeterbrett zu springen.
00:23:29: Deswegen sind bekackten Fahrtenschwimmern nicht gekriegt und in der Wachstummer bin ich aus Prinzip von Verwaschung.
00:23:36: Du hast dir eine Sportart ausgesuchte, die dann noch so ne richtige Überwindung mit sich bringt?
00:23:41: Wenn ich darüber nachdenke oder hast du es gar nicht so im Fund?
00:23:44: Doch, absolut.
00:23:45: Ich hab ja sehr spät erst Schwimmen gelernt.
00:23:47: Erst mit dreizehn Jahren überhaupt vorher konnte ich ein bisschen Hunde paddeln.
00:23:50: Krass!
00:23:51: Ja und Wasser war oder ist bis heute gar nicht mein Element.
00:23:55: das heißt... ...ich hatte vorhin nie die Erfahrung gehabt irgendwie in einen Schwimmbad zu gehen.
00:24:00: wir hatten gar keine Schwurmbäder.
00:24:03: Und dann auf einmal bin ich durch Zufall.
00:24:06: Ich hatte Sportabzeichen gemacht auf dem Internat, auf dem ich war.
00:24:10: Aufgrund meiner Seebehinderung und bei den Sportabzeichnen.
00:24:13: Bei dem Goldenen war dann auch irgendwann Schwirmen dabei.
00:24:16: Und habe gesagt, ok, ich kann es nicht aber ich kann einfach probieren um mich festzuhalten.
00:24:20: das war dann eben Hunde paddeln.
00:24:21: und so kamen wir dann auf diesem Weg dass wir gesagt haben ey wir müssen ja Schwirren beibringen ist ja wichtig fürs überleben Ja.
00:24:29: und dann, wie der Zufall das so will, wurde ich irgendwann von der Bundesdreherin gesichtet, entdeckt und zum Lehrgang eingeladen.
00:24:35: Obwohl ich echt nichts konnte!
00:24:38: Ich hatte eine unfassbar schlechte Technik.
00:24:41: Wenn du meinen Trainer fragen würdest heute würde er sagen mein Wassergefühl ist wie das eines Traktors.
00:24:51: Heute immer noch?
00:24:52: Naja klar weil... Guck mal, die meisten Schwimmer lernen ja wirklich mit drei, vier Jahren schon schwimmen.
00:24:57: Und die haben das ... Ja ich sag jetzt mal im Blut, diese ganze ... Das Wassergefühl was du ja wirklich entwickelst, dieses Feinmotorik im Wasser, dieses Feeling, dieses Greifen.
00:25:08: Das fehlt bei mir komplett.
00:25:10: Schade,
00:25:10: ich hätte gedacht dass man das auch lernen kann noch.
00:25:13: Ja und schon ein Stück weit aber beim Leistungssport geht es ja ums das allerhöchste, das Beste.
00:25:20: Und das fehlt dann, man merkt die Lücke.
00:25:22: Bei mir ist es dann halt viel Disziplin gewesen, viel Ehrgeiz und dann schafft man's irgendwie.
00:25:27: Was mich noch mal interessiert würde ist wie sind denn eigentlich deine Eltern so drauf gewesen und damit umgegangen?
00:25:31: Also du warst ja eine Betroffene aber du warste nicht die Einzige.
00:25:34: oder hast du auch noch Geschwister?
00:25:36: Vielleicht hast du da auch mal so einen kleinen Eindruck wie das für euch als Familie damals war weil jetzt haben wir deiner Erfahrung kennengelernt.
00:25:42: Aber wie war die Familienerfahrung?
00:25:44: Ja schwieriges Thema.
00:25:45: ich habe noch drei Geschwisters.
00:25:46: die haben alle keine Seebehinderungen auch sonst keine Behinderung.
00:25:49: Ich bin die einzige weil ich ein Glücksbild in der Familie bin.
00:25:52: Ich nehme alles mit und ja, das ist schon schwierig für meine Familie, das zu akzeptieren.
00:25:59: Ich glaube bis heute sogar.
00:26:02: Sie fragen mich schon wie es ist mit meinen Augen aber wenn sie mitbekommen dass es immer schlechter wird dann geht's denen auch gar nicht gut damit.
00:26:10: übrigens meine Eltern leben jetzt wieder in Kazakhstan die sind ja wieder ausgewandert Und wenn ich dort bin können die Menschen dort nur schwierig mit diesem Thema überhaupt umgehen.
00:26:20: Das heißt, sie gehen damit nicht so offen um wie ich.
00:26:22: Sondern im Gegenteil, die versuchen das immer noch zu verstecken oder machen es dann eher hinter meinem Rücken und fragen, hey, wie sieht's mit ihrer Augenerkrankung aus?
00:26:33: Ja, das ist ein schwieriges Thema.
00:26:35: Es ist für die noch schwer zu begreifen, dass man auch mit einer Behinderung wunderbar erfolgreich glücklich leben kann.
00:26:42: Das liegt wahrscheinlich nicht in der Vorstellungskraft aufgrund der Mentalität, der Kultur ... Und ich muss auch sagen, ich komme aus einem ganz kleinen Dorf.
00:26:51: D.h.,
00:26:51: da tickt die Uhr eher anders.
00:26:54: Also wenn ich mal dort bin und meine Familie besuche, dann fahre ich auf!
00:27:00: Ich bin da schon so ein exotisches Früchtchen würde ich sagen... ...und ich bin da ja immer sehr direkt und offen und mit dieser Art können die dort auch nur schwer umgehen.
00:27:07: Das kennen sie so nicht und ich bringe das schon immer.
00:27:11: oder rüber rein, aber auch in meiner Familie.
00:27:13: Was glaubst du ist das Gefühl was bei den Leuten entsteht wenn die diese Reaktionen zeigen?
00:27:18: Also was steht dahinter?
00:27:19: Ist es Angst?
00:27:20: Ist das Unsicherheit?
00:27:22: Ist etwas Unbekanntes?
00:27:24: Was glaubt du geht ihnen den Menschen vor?
00:27:25: Ja genau das was du sagst!
00:27:26: Das ist einfach diese fehlende Erfahrung fehlende Berührungspunkte mit so etwas.
00:27:32: Und wir haben natürlich schon auch im Dorf mal gehabt, jemanden der irgendwas hat an eine Behinderung oder einer Erkrankung aber das wurde dann immer alles hinter der verschlossenen Tür gelassen.
00:27:42: So nun jetzt ich als europäische Frau die da völlig offen mit umgeht und wirklich damit ihr auch an die Öffentlichkeit geht, das verstehen sie halt nicht weil sich dort halt nicht so gehört vielleicht Aber
00:27:58: der merkt man ja eigentlich, dass was du beschrieben hast das man dann so separiert wird.
00:28:03: Das ist ja nicht nur schädlich für die Menschen die separiert werden sondern auch die die sozusagen sowas gar nicht mitkriegen also dass denen eigentlich auch so eine Erfahrung fehlt.
00:28:10: wie is denn das wenn jemand eingeschränkt ist weil man könnte ja ganz viel daraus lernen wenn man das miteinander begleitet?
00:28:15: Ja gut dass du das sagst na klar und ich Ich sehe das ja auch ein Stück, als meine Aufgabe.
00:28:21: Die Menschen die noch nie irgendwie mit den Menschen zu tun hatte, der im Rollstuhl saß oder ersitzt und eine Behinderung hat wie eine Seeeinstrengung – whatever.
00:28:32: Dann versuche ich die Menschen wirklich abzuholen und sie aufzuklären.
00:28:37: Zum Beispiel manchmal sind die Menschen ja aufgrund ihrer fehlenden Erfahrung ein bisschen übergriffig.
00:28:44: Also wenn ich so schon da Bahn bin alleine mit meinem Blindstock dann ... wollen die Menschen mir manchmal helfen und packen mich immer einfach, ziehen mich irgendwohin zum Beispiel zum freien Platz oder whatever.
00:28:54: Und dann sage ich danke für die Hilfe.
00:28:55: das ist nett aber ich brauchte Hilfe nicht und bitte fassen sie mich nicht erst mal an sondern sprechen Sie mich erstmal an.
00:29:02: also Dann kann ich Ihnen ja sagen ob ich die Hilfe brauche weil es ist super unangenehm.
00:29:06: ich würde auch nicht einfach so einen fremden menschen anfassen.
00:29:09: So und da geht's ja schon los ne?
00:29:11: Die machen das nicht aus Frechheit Und die machen das wirklich aus fehlender Erfahrung.
00:29:18: Du hast vorhin so einen Satz gesagt, dass du meintest man braucht ein dickes Fell wenn man mit einer Behinderung groß wird.
00:29:25: Ich habe auch ganz oft diese Momente, dass ich Leute wahrnehme, die so Videos machen, Postings machen, wenn es zum Beispiel um Diversität geht.
00:29:34: und gerade bei Sexualorientierung ist jetzt z.B.
00:29:36: auch oft sowas.
00:29:37: Ich glaube viele Menschen, die jetzt zum Beispiel sagen, ich bin hier genderneutral sind immer so hardcore genervt sich dauernd erklären zu müssen Und ich verstehe das auf eine Art auch.
00:29:46: Und wieder auf eine andere Art, denke ich mir so naja.
00:29:48: aber wenn man natürlich ne geringe Prozentzahl an Menschen hat die dieses Thema aufweisen dann ist es glaube ich auch ein bisschen der Sache in Herend dass es da ne Neugierde gibt und ne Unwissenheit und und und ließen so dein Zugang dazu?
00:30:00: Ja ich bin total dafür dass eben die Minderheit wir müssen das als unsere Aufgabe ein Stück weit ansehen und sagen ja natürlich wenn wir so wenige sind und die Menschen noch nie was davon gehört haben oder noch nie Erfahrungen damit hatten, dann müssen wir sie doch abholen und aufklären.
00:30:18: Weil wenn Sie das dann einmal wissen, dann passiert denn ja das beim nächsten Mal nicht?
00:30:23: Wenn die dann behinderten Menschen sehen oder irgendwie mit Jen dann irgendwie nicht mehr zu rechnen... Die lernen hier dann draus!
00:30:31: Und es wird dann nie wieder passieren.
00:30:32: Das hatte ich auch schon so oft in meiner eigenen Geschichte erlebt So unangenehm, wie es manchmal ist und manchmal hat man auch die Geduld nicht zu jedem einzelnen Aufzug klären.
00:30:41: Aber es wäre schon fair zu sagen hey ruhig aufklären und sagen so bitte.
00:30:46: Ich meine wir drehen uns ja immer noch um dieses erste Ding von dir rum das du gesagt hast du hättest gerne mit zwanzig gewusst dass diese Behinderung sozusagen zu überkommen ist.
00:30:53: mich interessiert ein Thema daran noch und es ist das Thema Selbstwert.
00:30:57: Weil so wie ich jetzt von dir gelernt hab, ist es so dass dieser Sport dir eine Selbstwirksamkeit gezeigt hat.
00:31:03: Dass du so Erfolgsmomente hattest das du irgendwie Leistungen bringen konntest und dann quasi da deinen Raum gefunden hast.
00:31:09: Und daraus machst du jetzt wie so ne Blume gehen ganz viele Knospen irgendwie oder ganz viele Blutenblätter auf.
00:31:15: Ich frage mich trotzdem so wie ist es tief in einem drin?
00:31:18: Ist der selbstwert dann sozusagen hoch und stabil und bist du sozusagen gehst mit Power durchs Leben?
00:31:23: oder merkst du dass dieses ausgegrenzt sein... bisschen alienated, was hast du gesagt?
00:31:29: Das ist eine Sonderlöckchen in der Familie.
00:31:31: Spürst du das manchmal drin trotzdem noch?
00:31:33: Ich muss sagen für mich ist es ja inzwischen Alltag.
00:31:36: Also ich vergesse das manchmal dass ich etwas mit den Augen habe und meine Menschen die mich eng begleiten auch eigentlich.
00:31:43: aber natürlich wenn ich da mal wieder in andere Kreise komme, wenn ich zu meiner Familie komme, dann bin ich mit Menschen im Beruhigungen gekommen die keine Ahnung haben Triggert mich das schon manchmal.
00:31:52: Und dieses Selbstwertgefühl, was ich mir jetzt mit der Zeit aufgebaut hab kann manchmal sonst schwanken kommen wenn dann Menschen überhaupt nicht bereit sind das so anzunehmen?
00:32:04: Das ist mir natürlich auch schon mal passiert und deswegen meint dich dickes Fell Es gibt da einfach Menschen für die es einfach nicht in Frage kommt dass jemand einfach so offen damit umgehen kann und er das einfach nicht will.
00:32:16: warum auch immer?
00:32:18: Und da muss man aber sagen, okay dann ist das so.
00:32:20: Dann ist man vielleicht traurig darüber, aber hey, das Leben geht ja trotzdem weiter und ich hab so viel zu tun und so viele Sachen um mich herum, dass mich das gar nicht lange beschäftigt.
00:32:30: Ich hake das relativ schnell
00:32:31: ab.".
00:32:32: Dein Öffnungspunkt war ja, dass du gerne gewusst hättest, dass daraus etwas starkes machst?
00:32:37: Was glaubst du wäre anders in deinem Leben gewesen oder wie jetzt du dich gefühlt, wenn du das schon mit zwanzig Gewusst hattest oder als sich diese Krankheit leider gefunden hat, dass sowas draus wächst.
00:32:46: was wär vielleicht anders gelaufen?
00:32:48: in dieser beginnenden, erwachsenen Zeit hätte ich gerne vielleicht schon manche Sachen anders gemacht.
00:32:54: Mit mehr Selbstbewusstsein mit mehr Akzeptanz für mich selbst.
00:32:59: Ich hab dann ja auch Freunde gehabt die dann nicht wirklich wussten dass ich schlecht sehe.
00:33:04: ich habe das auch niemand gesagt und hab das immer versucht eben zu kaschieren Und es hat mir halt so viel Energie gekostet weil ich mich dann verstellt habe ich war nicht ich und darüber bin ich eigentlich traurig dass mir das Wichtige war, was die Menschen von mir halten über mich denken als das, was ich eigentlich bin.
00:33:21: Oder wie ich überhaupt bin?
00:33:22: Also ich hab dann viel zu spät auch für mich selber herausgefunden oder da ist auch wirklich gelebt, was Ich Bin und Das finde ich so schade.
00:33:30: Jetzt hast du ja auch gesagt, Du hast auch gerne mit zwanzig gewusst, dass du mal Speakerin wirst.
00:33:35: Was verbindet sich der mit diesem Punkt für dich?
00:33:37: Ich bin super dankbar und erfüllt, dass ich meine Geschichte, meine Erfahrungen jetzt mit der Welt teilen darf.
00:33:45: Und das sind ja nicht nur meine Behinderung oder meine Krebserkrankungen, wie ich daraus bestärkt herauskomme, sondern da sind auch inzwischen Strategien die für mich aus dem Sport fürs Leben mitgenommen habe und aus meiner Geschichte.
00:34:00: Das heißt diese ganzen Werkzeuge, die ich über die Zeit mir angeeignet habe – Aus den Niederlagen, aus den Schicksalsschlägen, Krankheit ... whatever.
00:34:11: dass ich dieses ganze Paket jetzt so für mich nutzen kann und damit auch mit anderen Menschen teilen kann.
00:34:19: Und das erfüllt mich einfach mit Dankbarkeit, dass ich diese Möglichkeit bekomme, das alles zu
00:34:25: teilen.".
00:34:26: Also eigentlich ist dein Thema ein Stückchen Resilienz, höre ich daraus?
00:34:30: Ganz großes Stück ja.
00:34:32: Resiliens auf jeden Fall!
00:34:34: Ich glaube es ist predestiniert, dass du über sowas Vorträge hältst weil ich glaub Resilience Probleme überkommen ist, glaube ich für viele Unternehmen ein riesiges Thema.
00:34:43: Was sind denn so die Methodiken?
00:34:45: Wenn du gerade sagst, du hast aus dem Sport oder aus deinen Schicksalsschlägen Dinge gelernt, Techniken, die du jetzt anbindest... wie sehen sie denn zum Beispiel aus?
00:34:52: Der erste wichtige Punkt ist das man sich darauf einstellt dass Probleme, Schicksal schläge, whatever auf uns zukommen werden.
00:35:03: davor ist keiner geschützt ob Krankheit sonst was pleiten.
00:35:07: Das ist einfach so!
00:35:07: Das gehört zum Leben dazu Und man kann sich aber darauf freuen, dass das eines Tages passiert.
00:35:14: Weil das ist das beste Learning was uns passieren kann.
00:35:18: Das heißt wir werden Schmerz erleiden Trauer Wut Aber genau das wird uns die Möglichkeit geben uns neu zu sortieren daraus zu lernen und mitzunehmen.
00:35:32: okay Was habe ich daraus gelernt?
00:35:34: Was soll ich ändern damit mir das beim nächsten mal nicht mehr passiert?
00:35:39: Ich habe zum Beispiel bei den Spielen in Rio, bin als Favoritin angereist und habe aber versagt.
00:35:47: Ich war zwar körperlich total fit, aber mental war ich nicht so weit.
00:35:51: Und dann haben mir die Nerven versagt beim Start.
00:35:55: Das hat unfassbar Zeit gekostet um das zu verarbeiten.
00:35:58: Aber als ich das dann verstanden hab, dass das die größte Lehre für mich in meiner sportlichen Karriere war bis heute davon profitiere und ich meine Werkzeuge daraus mitgenommen habe.
00:36:08: Das heißt, ich hab dann ganz punktuell an den Sachen gearbeitet in mich hinein geguckt.
00:36:13: Warum habe ich versagt?
00:36:15: Daran gearbeitet und seitdem ist mir das nicht
00:36:17: passiert.".
00:36:18: Aber wichtig ist eben das nicht auf jemand anderen zu schieben oder Ausreden zu suchen.
00:36:23: Man muss da wirklich ganz intensiv in sich hineingucken, in seine eigenen Abgründe und sagen hey, das lag an mir!
00:36:29: Ich habe hier versagt und ich muss an mir arbeiten und ich werde daraus lernen und ich wäre daraus bestärkt rausgehen weil wir haben immer selber die Wahl welchen Weg wählen wir Den einfacheren oder den schwereren?
00:36:41: Das war auch damals bei der Krebsdiagnose genauso.
00:36:44: Ich wusste, ich kann einfach alles aufgeben und sagen, der Kreps ist da!
00:36:48: Ich höre mir einem Sport auf mit meinem Leben – ich muss mich jetzt um meine Krankheit kümmern.
00:36:52: Aber ich habe gesagt nein, ich bin der Chef über mein Leben und werde weiterhin meinen Sport machen.
00:36:58: Ich werde die Therapie überstehen und dann werde ich mich
00:37:00: zurückkämpfen.".
00:37:01: Weißt du was ich meine?
00:37:02: Es liegt an uns, unser Mindset zu formen unsere Gedanken abzurufen und zu sagen Ich werde nach vorne gucken.
00:37:08: Ich würde daraus kämpfen.
00:37:09: Ich werde daraus etwas lernen.
00:37:11: Ich werden mir Hilfe holen Und dann aber mit Lösungsorientiert nach vorne blicken.
00:37:17: Naja, ich glaube das eine was Du gesagt hast ist Verantwortung übernehmen und das andere ist glaube ich in der Gestaltungsrolle gehen.
00:37:24: Also zu sagen ich gestalte das hier und ich habe sozusagen den Einfluss darauf wie ich das entwickeln möchte.
00:37:30: Exakt ja
00:37:31: Ich überlege gerade, ob es dafür irgendeine Voraussetzung braucht oder einen... Man muss ja auch mal gucken.
00:37:36: Wenn man natürlich in der Situation sitzt ist das was ganz anderes als wenn man außerhalb ist.
00:37:40: Also sich auf eine Krise vorbereiten und dass das eine in der Krise stecken ist ja wieder etwas anderes.
00:37:45: Das Eine und das Andere.
00:37:48: Es kostet schon Kraft, Überwindung.
00:37:50: Ich weiß gar Mut ich weiß gar nicht was für eine Eigenschaft ist um so was anzunehmen Gestalten Rolle zu gehen.
00:37:57: Hast du Theorien dazu oder hast du eine Überlegung, was es ist das dir gelungen ist so etwas anzunehmen und zu überkommen?
00:38:03: Es muss einem klar sein dass Angst dazugehört und Angst ist wichtig zum empfinden.
00:38:09: Und dieser Druck den wir auch manchmal haben von außen oder dem man sich selber macht Das gehört auch dazu.
00:38:15: genau das bringt uns voran das treibt uns an.
00:38:18: Wir müssen nur aufpassen dass wir die Kontrolle über die angst behalten.
00:38:23: das ist ja bei mir auch so wenn ich an den Start gehe.
00:38:27: Und es sind siebzehntausend Zuschauer, ich habe nur eine Minute Zeit um alles abzuliefern was ich die letzten vier, acht, zehn Jahre trainiert habe.
00:38:35: dann herrscht ein unfassbarer Druck dahinter und Erwartungshaltung der Presse, der Sponsor.
00:38:40: mein ganzes Leben hängt davon ab von dieser einer Minute.
00:38:43: und natürlich hab' ich Angst!
00:38:44: Ich bin irgendwo zwischen leben und tot körperlich und geistig.
00:38:49: aber du musst diese Kontrolle beibehalten, diese Angst so für dich zu nutzen, dass du funktionierst.
00:38:57: Und das kannst du dir stückchenweise erarbeiten, indem du in solchen Situationen die vielleicht nicht ganz so extrem sind ... Es gibt ja auch ... Situationen, die vielleicht gar nicht so ausschweifend sind.
00:39:08: Kannst du das immer wieder für dich mental im Hinterkopf behalten und so einsortieren?
00:39:14: Weißt du was ich meine?
00:39:15: Dass du sagst okay, ich hab gerade Angst, Stress und Druck.
00:39:19: Ich habe aber noch die Kontrolle darüber.
00:39:21: Das ist entscheidend!
00:39:22: dass man sagt, ich habe die Kontrolle darüber.
00:39:26: Ja bei mir ist es auch so, ich bin glaube ich jemand der... Ich hab also gar ein Wort dafür gelernt in dem Extrem ist vielleicht nicht so gesund wie die Land.
00:39:34: das heißt immer auf Gefahrenscannt wenn dein Nervensystem eigentlich mal gepolt ist zu gucken ob alles okay ist.
00:39:38: und so bin ich quasi groß geworden auf eine Art Das heißt, ich versuche Sachen zu antizipieren.
00:39:44: So ist eine Strategie.
00:39:46: Aber natürlich bei Krise ist ja der Impact das eigentlich was aufkommt... ...was nicht mehr antizippierbar ist, was da ist und was sozusagen rumst.
00:39:53: du hast es nicht kommen sehen oder vielleicht hast du's gar kommen sehen aber konntest nichts gegen tun.
00:39:57: Und ich denke gerade so drüber nach weil ich habe das auch oft dass ich sehr funktional bin in Krisensituationen.
00:40:03: Ich könnte aber nicht sagen Warum ist das so?
00:40:06: Also ich könnte keine Anleitung geben.
00:40:08: Shuells kleines einmal eins, um zu funktionieren wenn die Scheiße in den Ventilator geflogen ist weiß man sich meine?
00:40:15: Naja weil du über die Jahre dir da eine eigene Strategie entwickelt hast wie du dann eben mit dieser Krise umgehst und nicht den Kopf in den Sand steckst.
00:40:23: Dein Leben hat dich ja geprägt Und Du hast ja deine Werkzeuge Stück für Stück.
00:40:27: Da müsstest Du Dich jetzt natürlich mit Dir selber auseinandersetzen und gucken wo hast Du halt viel gelernt dazu?
00:40:33: Wie war das bei dir, wenn du gesagt hast, dass Rio so der Downturn war?
00:40:39: Wie sah denn dein Prozess aus, es aufzuarbeiten.
00:40:41: Ich habe das erstmal versucht... zu verstecken, so einen Hintergrund zu drücken und sagen ja dann bin ich halt schlecht.
00:40:49: Dann funktioniert es halt nicht, dann lass ich's halt sein.
00:40:52: das war übrigens auch der einzige Moment wo ich ans Aufhören gedacht habe.
00:40:55: sonst nie in meiner Karriere!
00:40:56: Nicht mal als ich sechs Wochen Bestrahlung und dreizehn Monate Chemo hatte und wo klar war dass ist eigentlich schwierig wieder zurückzukehren.
00:41:03: aber da weil man einfach so emotional überfordert war mit dieser ganzen Situation und nur emotional agieren wollte aus diesen Impulsen heraus.
00:41:13: Und ich hab dann irgendwann mich aber wirklich gefasst und hatte dann einige Gespräche aufgeführt.
00:41:17: Ich hatte dann auch einen Mentalcoach, und irgendjemand hat mich dann auf diesen Gedankenweg wieder zurückgebracht den ich ursprünglich hatte mit meinem Ziel und was ich alles dafür mache.
00:41:28: Dann habe ich mich neu sortiert.
00:41:29: Ich war dann wirklich ein Tief.
00:41:31: Und Tiefs sind auch extrem wichtig für uns Menschen weil das gibt uns die Möglichkeit uns nochmal neu zu sortieren.
00:41:38: Genau das habe ich wahrscheinlich in der Phase gebraucht.
00:41:40: Ich war wirklich am Boden und hab mir dann die Zeit genommen, hat mich komplett nochmal neu ausgerichtet.
00:41:46: Und habe gesagt okay ich würde das noch nicht aufgeben, ich habe meinen Ziel noch nicht erreicht.
00:41:50: Ziele sind extrem wichtig für uns im Leben.
00:41:52: Wir geben uns Struktur und Orientierung.
00:41:54: da soll ich auch immer wieder bei meinen Vorträgen wie wichtig ziele sind ob in dem Unternehmen oder im Berufsleben oder im Sport whatever unfassbar wichtig.
00:42:03: Und dann habe ich gesagt ok mein neues Ziel Tokio, meinundzwanzig.
00:42:08: Dann habe ich das durchgezogen.
00:42:09: nochmal.
00:42:10: Jetzt hast du ja gesagt, dass dieses Speaker sein für dich so relevant ist.
00:42:14: Und ich glaube da steckt ja mehr drin.
00:42:16: also da stecken auch ein gewisses Senden was zurückgeben drinnen sozusagen Prägung weiterreichen und was ist daran für dich bedeutungsvoll?
00:42:26: oder wie lebst du das?
00:42:28: Wie fühlst du das mit Leben?
00:42:29: weil ich finde Speaker kann man immer machen so nach dem Motto Fülltes Konto Fair enough hab etwas krasses erlebt wollen Leute hören Cash zack dann ist es so ein Tausch aber bei dir vielleicht nicht.
00:42:40: Also klar, Finanzierung ist auch ein wichtiger Punkt.
00:42:43: Weil leider im Parasport die Föderung nicht ausreichend ist.
00:42:47: und gerade jetzt für mich als frische Mama.
00:42:50: Das ist übrigens auch auf meiner Liste, die ich gerne mit zwanzig gewusst hätte dass ich in oder während meiner sportlichen Karriere noch Mama werde.
00:43:00: Ich habe mich ja ganz bewusst dazu entschieden weil es mir wichtig war Ich wollte unbedingt Mama werden, und gerade nach der Erkrankung wusste ich nicht.
00:43:08: Wie lange habe ich da noch?
00:43:09: Und es kann ja bei mir sein, dass der Krebs zurückkehrt.
00:43:11: Deswegen hab ich gesagt, okay dann, nach den Spielen in Paris werde ich
00:43:14: Mama.".
00:43:16: Dann ist mir richtig bewusst geworden, dass das überhaupt keine Unterstützungsmöglichkeiten gibt auch für Sportlerinnen die in ihrer Karriere Mama werden.
00:43:25: Jetzt zum Beispiel nutze ich ganz explizit diese Speakerrolle als auch dafür ... um auf die Missstände aufmerksam zu machen.
00:43:36: Thema Regelung, Mutterschutz gibt's gar nicht und ich nutze meine Stimme, um eben darauf aufmerksam zu machen oder dass im Parasport es wirklich teilweise sich um prekäre Situationen, Lebenssituationen handelt bei den Sportern, die sich nicht mal ihren Leistungssport erlauben können.
00:43:57: finanziell Und natürlich verdiene auch damit mein Geld.
00:44:00: klar Man muss sich als Parasportler anderweitig aufstellen.
00:44:03: Das habe ich dann auch irgendwann recht spät verstanden, wie wichtig das ist.
00:44:07: Deswegen habe ich da noch die Firma gegründet und so.
00:44:10: Aber ja von der Grundförderung kann man leider sonst nicht davon leben.
00:44:16: Was machst du denn eigentlich schon unternehmen?
00:44:17: Weil dein drittes Ding war ja, du gingen wusstest Unternehmerin bist.
00:44:20: was ist denn deine Unternehmung?
00:44:22: Es ist inzwischen eine Sportmarketing GmbH.
00:44:25: Ich berate Verbände Nachwuchssportler Hobby-Sportler oder auch einfach Menschen, die Sport machen möchten.
00:44:33: Unabhängig von Wettkämpfen und sonst was für sich.
00:44:37: Wir beraten ... ja wir machen so eine sportphysiologische Beratung Und ich mache auch Medienberatungen Gerade wenn auch Nachwuchssportler das erste Mal mit Verhandlungen in Kontakt kommen, zum Beispiel Sponsoren und welche Summen und welche Partner sollen es sein oder welche Medien.
00:44:57: Wie verhalte ich mich?
00:44:58: Also genau dieses Coaching bieten wir an!
00:45:01: Es ist ganz lustig.
00:45:02: wahrscheinlich machst du ein bisschen das was mir auch so passiert ist.
00:45:06: Ich hab für mich also Leute sagen mal Du bist ein Podcaster Und in meiner Denke ist es gar nicht so, weil ich mal denke so Herr Nehe.
00:45:13: Ich bin eigentlich so ein neugieriger Mensch und ich bin irgendwie Medienunternehmer.
00:45:16: Ich mache Dinge, ich unternehme etwas... ...und durch Zufall ist jetzt Podcast mein Medium dafür.
00:45:21: aber hätte auch was anderes sein können ja?
00:45:23: Und hab dann aber festgestellt Ja, ich hab das nie als mein Chor.
00:45:29: Ich habe meinen Thema immer verstanden aber nicht das Medium.
00:45:32: Aber ich hab dabei natürlich ganz viel gelernt was ich jetzt weitergeben kann und es ist wahrscheinlich bei dir genauso dein Chorus eigentlich schwimmen.
00:45:39: Du kannst jetzt ganz vieles weiter geben was du eigentlich so on the fly für dich selber gebraucht hast was quasi deine eigene Medizin war.
00:45:45: Ist ein bisschen so oder?
00:45:46: Ja absolut genau so ist dass ich habe unfassbar viel gelernt auch gerade weil ich sehr... Ohne erfahren war, als ich die ersten Verträge geschlossen habe auch einige Fehler gemacht.
00:45:56: Wirklich gravierende Fehler gemacht, dass den nicht danach wirklich bitter lernen musste und...
00:46:02: Was ist denn so zum Beispiel?
00:46:03: Naja Knäbelverträge unterschrieben
00:46:05: z.B.,
00:46:06: aus denen es dann schwierig rauskam.
00:46:09: Hier haben wir den Medien.
00:46:10: da muss man natürlich auch erstmal reinwachsen wie man sich verhält, wie man ein Interview vernünftig führt und wie man verhandelt und sowas.
00:46:17: das muss man alles in der Zeit lernen.
00:46:20: wenn du davon noch nie was gehört hast und am Anfang vielleicht auch kein Management hattest oder ich wollte das nicht komplett über eine Agentur laufen lassen.
00:46:29: Irgendwann war mir das wichtig, dass ich das selber
00:46:30: verstehe.".
00:46:32: Ich wollte dann quasi selber die Verhandlungen führen und ich wollte selber in diese ganze Business-Bubble eintauchen.
00:46:39: Und habe gesagt, hey warum kann das eine Agentur?
00:46:42: Warum kann ich das
00:46:42: nicht?".
00:46:43: Und mich hat es dann irgendwie super interessiert weil's geht ja schließlich um mich.
00:46:47: Ich will da nicht nur das Werbegesicht sein sondern ich möchte auch wirklich verstehen was dahinter steckt und nicht einmal nur vor der Kamera stehen.
00:46:54: Deswegen hat mich das total mitgenommen und ich hab gesagt okay dann werde ich mich da jetzt einarbeiten und mich selber vermarkten.
00:47:01: Das mache ich ja jetzt auch selber für mich.
00:47:03: Also mein Unternehmen vermarktet und managt mich auch selber, also ich mich in dem Fall!
00:47:09: Wenn ich jetzt nochmal ganz kurz so im Kopf Revue passieren lasse... Wir haben gesagt jetzt gerne mit zwanzig gewusst wie es ist diese Behinderung zu bekommen oder dass du das kannst?
00:47:17: Dass du Speakerin wirst, dass du Unternehmerin würst und hast gesagt, dass Du Mama wirst.
00:47:20: In meiner Karriere genau
00:47:23: In der Karriere.
00:47:24: Das ist noch mal der wichtige Zusatz, generell Mama werden ist es gar nicht so parallel zu
00:47:27: dem, was du tust.
00:47:28: Ja das ist entscheidend!
00:47:29: Ich muss auch sagen, es gibt nur sehr wenige Mutis gerade aus dem Schwimmbereich die sich trauen in ihrer karriere Mama zu werden weil wirklich es überhaupt keine Regelungen dazu gibt.
00:47:41: also theoretisch ich war ja letztes Jahr bei der WM nicht dabei aufgrund meiner Schwangerschaft Saisonhörpunkt verpasst, was bedeuten würde.
00:47:51: Ich würde meinen Kaderplatz verlieren und daran alle gebundenen Fördermaßnahmen
00:47:56: auch.".
00:47:56: Es gibt keinen Schutz!
00:47:57: Wenn du da nicht anstatt gehst, bist du aufgeschmissen?
00:48:00: Bei mir wurde jetzt eine Sonderregelung getroffen aber das macht mich nicht glücklich.
00:48:07: also gleich benankbar dafür keine Frage.
00:48:09: Aber ich möchte dass es für alle anderen Frauen auch möglich gemacht wird, dass sie sich keiner Sorgen machen müssen und sich nicht diese Frage stellen Darf ich, kann ich es mir leisten in meiner sportlichen Karriere Mama werden?
00:48:23: Oder muss sich abwarten bis ich meine Karrieren beendet habe.
00:48:27: Na ja kommt wahrscheinlich noch mehr hinzu wenn du sagst du arbeitest sehr bei die Beine also was im Beckenboden passiert bei so einer Schwangerschaft, wenn man jetzt auch nicht gerade Kaiserschnitt macht und ist er wahrscheinlich auch für deine Leistungsfähigkeit gar nicht mal so ohne oder?
00:48:41: Natürlich das macht schon etwas mit dem Körper absolut.
00:48:45: Du bringst ein Kind auf die Welt, das ist ja wirklich eine heftige Erfahrung gewesen.
00:48:50: Aber es ist ja vorübergehend!
00:48:53: Es ist ja keine Verletzung.
00:48:54: also klar ne kurze Verletzung schon aber das halt alles unfassbar schnell und du bist dann wieder zurück im Sport.
00:49:01: ich habe dann auch sieben Wochen nach der Bindung angefangen zu trainieren Und der Körper passt sich ja komplett an.
00:49:08: Also der bildet sich komplett zurück.
00:49:11: so weitermachen wie bisher.
00:49:13: Dauert halt nur ein bisschen, aber rein theoretisch ist es jetzt keine größere Verletzung in dem Sinne dass du da nicht mehr leistungssportfähig bist.
00:49:21: und ich glaube um diesen punkt jetzt adäquat verstehen zu können was du gerade gesagt hast mit dem kind kriegen gehört auch dazu das wir mal dieses krebsthema noch ein bisschen beleuchten weil ich den eindruck hatte dass dann motivationselement auch drin steckte.
00:49:36: Jetzt dürfen wir immer ehrlich sein.
00:49:37: Ich glaube, von den Urengsten die Menschen haben hast du schon mal zwei Folgen getroffen.
00:49:41: also Augenlicht verlieren und Krebs haben ist da glaub ich schon hoch im Kurs.
00:49:45: war es vielleicht sogar so dass dadurch das mit dem mit den Augen durch hatte dass du sowas leichter wegstecken konntest als wenn sozusagen ausm Kalten gekommen wäre?
00:49:53: oder war das wirklich so mit hundertzwanzig gegen die Wand ballern?
00:49:57: Ich glaube die urengste die wir haben ist ein großer Punkt.
00:50:01: dass wir Angst haben vor dem Tod Da ist es erst mal egal, was du dann hast, warum du stirbst.
00:50:07: Sondern wirklich die Angst vor dem Tod.
00:50:10: Und dadurch dass ich irgendwie durch die Erkrankungsehbehinderung und auch sonst so mein Leben war nicht ganz so einfach in der Kindheit, hatte ich glaube schon ... nie so diese Furcht gehabt.
00:50:23: Ein gewisser Wasens schon, aber ich hab mich auch damit auseinandergesetzt.
00:50:28: und als ich diese Diagnose bekommen habe ... Das war ja kurz nach meinem Sieg bei den Spielen in Tokio.
00:50:34: Ich war da wirklich auf Wolke sieben.
00:50:35: Da kam die Diagnos aus nichts!
00:50:38: Und das hat mich natürlich getroffen.
00:50:40: Das hat mein Leben auf dem Kopf gestellt.
00:50:41: Es war völlig unerwartet.
00:50:44: Und durch meine ganzen Vorahrfahrungen aus meinem Leben davor Aus den ganzen Erfahrungen aus meinem Rückschlägen hatte ich ja schon ein gewisses Werkzeug.
00:50:54: Und als ich dann ... Ein paar Tage gebraucht habe, mich ausgeheult hab, natürlich ist man traurig und ängstlich wenn man seine Diagnose aus dem Nichts bekommt.
00:51:02: aber ich hab mich dann relativ schnell gefasst und hab gesagt okay die Frage zu stellen warum ich bringt mich nicht weiter.
00:51:10: Ich muss das mal wieder akzeptieren.
00:51:13: Thema Akzeptanz und nach vorne blicken lösungsorientiert.
00:51:17: also bin ich dann mit meinem ganzen Trainingsplan und Saisonplanung zum Arzt gegangen.
00:51:23: Hab gesagt, gut wie machen jetzt die OP?
00:51:26: Dann die Bestrahlung!
00:51:27: Und dann ist es dreizehnmal natürlich chemo.
00:51:29: hier ist mein Kalender Hier sind meine Reisen, sie haben meinen Blättkämpfer-Trainingslager geplant.
00:51:34: Wir müssen die Chemo so anpassen dass sich mein Leben noch parallel führen kann.
00:51:39: Das war auch für die Ärzte total komisch weil sie das bis jetzt auch nie hatte in so einer Form.
00:51:46: Aber das ist genau das was ich meine dass sie uns da eben nicht absinken lassen in diese Trauerphase und dieser Angstphase, sondern dass wir dann sagen okay ich habe immer noch die Kontrolle darüber.
00:51:55: Ich entscheide ob ich das angehe und nach vorne blicke oder halt nicht!
00:51:59: Und dann hab' ich ganz schnell mich zusammengefasst und gesagt ok... Dann brauche ich ein Ziel.
00:52:05: Ich brauch einen Team was mich unterstützt.
00:52:08: Hab dann gesagt mein großes Ziel ist dann meine Goldmedaille zu verteidigen.
00:52:13: Das war dann im Paris.
00:52:16: Selbst das waren wir noch zu wenig.
00:52:17: Ich hab dann irgendwann gesagt, ich möchte auch einen neuen Weltrekord
00:52:20: aufstellen.".
00:52:21: Und das war grüßenwahnsinnig, ja?
00:52:24: Das war gröschenwahnsinnlich und so kennt man mich irgendwie.
00:52:28: Alle haben den Kopf geschüttert, das ist unmöglich.
00:52:30: Eineinhalb Jahre hatte ich nur noch Zeit um mich komplett nach der Krebserkrankung wiederherzustellen und Top-Leistungen abzuliefern.
00:52:38: Aber ich spoiler jetzt für alle die mich nicht kennen.
00:52:40: Ich habe es geschafft!
00:52:41: Ich habe in Paris die Goldmedaille verteidigt Geschwarm.
00:52:47: Jetzt mal ohne Flex, wie irre muss man denn sein?
00:52:52: Also zu sagen ich steuere mein Leben sehr das eine.
00:52:54: aber wenn du chemo machst dann musst du ans Becken kotzen wie nix.
00:52:57: also dass du wieder warst du den da leistungsfähig.
00:52:59: und dann noch zu sagen top weltenniveau halten verteidigen und noch ausbauen um Rekord.
00:53:07: also bist jetzt eigentlich die didn't step back you stepped forward.
00:53:13: ja das ich weiß auch nicht von welchen Geisten ich da geritten wurde.
00:53:18: Das war wirklich ... Ich hab das gebraucht in diesem Moment, ich war so down und ich war alles schön hoffnungslos!
00:53:26: Und auch meine Umgebung hat es irgendwie schon so abgestempelt gehabt.
00:53:32: Dann habe ich gesagt ne, ich möchte das nicht stehen lassen.
00:53:35: Ich habe das für mich gebrauchte.
00:53:37: Ich hab gesagt okay, ich brauche diesen Antrieb in dem ich mir so ein hohes Ziel gesteckt habe.
00:53:44: Und natürlich hatte ich Phasen, wo ich, wie du schon sagst ins Becken, ins Beken hab' ich nicht gekotzt und es hätte man dann das Becken sperren müssen.
00:53:50: aber halt dann zu Hause ja und... Aber es hat mir unfassbar Kraft gegeben diese Therapie durchzustehen weißt du?
00:53:56: Ich bin dann ins Training gefahren, ich hab gar nicht trainiert, ich habe teilweise wirklich in schlechten Phasern weil ich nur am Becken nannte, hab denen umgemacht dass überhaupt irrelevant war in der Phase.
00:54:07: Aber das hat mir diese Hoffnung und Zuversicht gegeben.
00:54:09: Und gesagt, ja ich habe meinen Geist quasi damit ausgetrickst und gesagt natürlich bin ich kaputt und am Ende und null Energie.
00:54:16: Ich war ja heute auch beim Training.
00:54:18: Das hat mir halt einfach diese Routine beizubehalten die ich so kannte aus meinem Sport als Sportlerin hat mir unfassbar viel Kraft gegeben
00:54:27: Weil ich auch so gedacht hab.
00:54:29: Bei so einer Krankheit würd ich mal denken, dass dann angesagt ist.
00:54:31: okay jetzt steht das ganze restliche Leben still, jetzt konzentrier' ich mich auf den Überlebenskampf.
00:54:37: Aber bei dir war es genau das Gegenteil so.
00:54:40: Meinst du, dass das ein bisschen der Schlüssel für dich war?
00:54:42: Ich hatte ja paar Tage wo ich wirklich gedacht habe ok poh!
00:54:46: Ich weiß nicht wie ich das bewältigen soll und das war auch so in Art tief was ich da erlebt hab.
00:54:51: aber das ging dann bei mir relativ schnell wieder hoch weil ich diese Zeit nicht verschwenden wollte jetzt auch noch damit.
00:54:56: Und deswegen habe ich mir recht schnell gesagt, okay.
00:54:58: Ich komme da raus!
00:54:59: Ich hab mich dann selber rausgezogen und gesagt, ich gucke nach vorne.
00:55:03: Ich versuche es.
00:55:04: Ich habe sehr an mich geglaubt.
00:55:06: Und ich hatte dann eins oder zwei Leute in meiner Umgebung unter anderem auf meinen Mann und meinen Trainer.
00:55:11: Das ist ja... Und inzwischen auch mein Manager, also dreien Eins, das ist ganz praktisch.
00:55:16: Und auch der Vater meines Sohnes.
00:55:22: Ja, ich wollte es nur kurz erwähnen.
00:55:24: So, darauf wollte ich hinaus?
00:55:26: Ach so, genau.
00:55:26: Ich hatte die Leute um mich herum, die dann eben auch an mich geglaubt haben und gesagt haben, wenn sie das sagt, dann wird es ja auch alles dafür tun Berge versetzen, um das zu erreichen.
00:55:36: Und deswegen habe ich gesagt okay wir schaffen das!
00:55:38: Und ich hab dann wirklich nur noch nach vorne geblickt und als sich diese Krankheit Nachbehandlung, die wirklich unfassbar lang gedauert hat eineinhalb Jahre überstanden habe.
00:55:49: Natürlich alles mit Unterstützung der Ärzte.
00:55:50: Alleiner hätte ich das nicht gemacht.
00:55:52: Ich hab dann viel im Höhentrainingslager wieder trainiert um meine Blutwerte wieder aufzubauen.
00:55:57: Die waren ja wirklich komplett im Keller und das war eigentlich das was meine Stärke war.
00:56:02: Die Ausdauerfähigkeit wurde mir der Chemo komplett zerstört.
00:56:05: Ich wusste aber ich habe Experten an meiner Seite und wir werden das hinkriegen unter anderem eben im Höhentrainingslager.
00:56:11: Und dann waren auch die Ärzte total begeistert, wie schnell das ging – auch wenn es für mich die Hölle war!
00:56:17: Aber es hat sich gelohnt in Paris.
00:56:20: Was
00:56:20: heißt denn Höhentreinungslager?
00:56:21: Das
00:56:22: heißt wir trainieren auf zwei tausend dreihundert Metern.
00:56:25: Das ist in den Bergen der Sierra Nevada.
00:56:27: in Spanien und Andalusien sind übrigens auch ganz viele Radfahrer, auch jetzt Tour de France.
00:56:32: Die ganzen Fahrer, also einige davon haben wir jetzt auch schon oben getroffen.
00:56:37: Du trainierst dort, du lebst dort, schläfst dort und wir sind so drei bis vier Wochen oben.
00:56:43: Und der wird komplett aufgrund des Sauerstoffmangels dein Blutsystem angekurbelt.
00:56:47: Das heißt Rückenmark bildet dann ganz viele neue Blutkörperchen.
00:56:52: also ohne jetzt tiefer in die Materie zu gehen das ist das natürliche Doping da oben.
00:56:56: Das heisst wenn du dort lebst und trainierest und dann runter kommst auf See Level quasi hast du einfach diese unfassbare Energie auf Transportfähigkeit.
00:57:08: Doping wäre es, wenn du oben dir das Blut abzapfst und unten wieder quasi einführst in den Körper.
00:57:13: Das wäre doping!
00:57:14: Ach echt?
00:57:15: Ja.
00:57:16: Ach k, ich habe immer gedacht, doping sei nur Stoffe zu führen externe.
00:57:19: Ja oder eben angereichertes Blut.
00:57:21: Ah
00:57:21: ok ist nicht krass.
00:57:23: Bist du da höhenkrank geworden?
00:57:25: Nein gar nicht.
00:57:25: Das hab' ich auch gedacht.
00:57:26: Es könnte passieren weil er ja wirklich ganz ganz schlechte Werte hatte.
00:57:31: Aber dadurch, dass ich die Jahre davor extrem viel in der Höhe verbracht habe, kannte mein Körper das.
00:57:36: Aber ich musste natürlich ganz anders trainieren und das ganze Training ganz anders aufbauen weil ich jetzt ja ein ganz anderes Ausgangsniveau hatte.
00:57:44: aber mit den Ärzten und meinem Trainer an der Seite, der da wirklich inzwischen ein Experte ist würde ich sagen haben wir das mit ganz vielen Feingefühl ganz vorsichtig hingekriegt.
00:57:55: Meine blöde Frage was für einen Krebs hast du denn eigentlich gehabt?
00:57:58: Und wie wurde er entdeckt?
00:58:00: Ich hatte ein Astrozytom grad zwei bis drei in der vorderen linken Gehirnhälfte.
00:58:05: Der lag am Sprachzentrum, Motivationszentrum und Persönlichkeitszentrum – das war eigentlich alles was ich ausmacht!
00:58:13: Ich hatte Kopfschmerzen auch schon vor den Spielen in Tokio und hatte auch Sehstörungen.
00:58:18: So, jetzt bin ich natürlich zum Arzt gegangen und hab gesagt auf Sehstörungen.
00:58:21: Das ist halt schwierig wenn du nur noch zwei Prozent siehst um blind bist zu sagen ich habe Seh-Störungen.
00:58:27: da kommt keiner auf die Idee ich könnte Krebs haben oder ich sage naja gut dann muss ich halt irgendwie mit leben Und wenn du dich auf so eine Spiele vorbereitest dann achtest du so wenig auf die ganzen Signale weil du hast dann nur eins im Kopf das Rennen, das entscheidende Rennen.
00:58:44: Ja.
00:58:44: und irgendwann nach den Spielen wurden die Kopfschmerzen immer Dollar und irgendwann kam auch koordinative Störungen.
00:58:53: Und da ich ein bisschen aus dem Bereich Physiotherapie komme, und dann ein bisschen Fachwissen habe, wusste sich das stimmt irgendwas nicht.
00:59:01: Bin dann noch aus Paris, da hab' ich dann Urlaub gemacht nach Hause geflogen direkt zum Arzt, zum MRT Und dann kam die Diagnosegehörntomor.
00:59:10: Was du so erzählt hast, du hattest einen Ärzteteam.
00:59:12: Ich habe immer den Eindruck unser medizinisches System ist so dass du ja eigentlich nur... Also da ist eine Flut, die einfließt auf diese ganzen Ärzte und die auch noch gebundene Hände haben durch dieses ganze Gesundheitssystem in dem sie stecken.
00:59:25: Ich hab eigentlich mal den Eindruck das die nicht Sieben Teller am Drehen hat sondern eher Fünfzehnhundert.
00:59:32: Wie kann man sich einem einzelnen Menschen adäquat widmen?
00:59:35: Wie fällt man nicht durchs Rast, da hast du ein bisschen Startvorteil gehabt.
00:59:38: Durch deine Sichtbarkeit und diese Art wie du auf's Leben zugehst.
00:59:41: oder ist es gar nicht so schlecht, wie ich das denke?
00:59:44: Also ganz grundsätzlich muss ich sagen dass das Gesundheitssystem in Deutschland schon gut ist.
00:59:49: Ich kenne das aus anderen Ländern denn es ist furchtbar wirklich geradeaus meiner Heimat Da willst Du nicht im Krankenhaus landen glaub mir Ja.
00:59:57: also deswegen jetzt das mal vorab gesagt.
01:00:00: aber Ich muss auch gestehen, durch die Sportmedizin an der Charité hier in Berlin kannte man mich natürlich.
01:00:05: Weil ich bin dort ständiger Gast und wir müssen uns jedes Jahr checken lassen.
01:00:11: Und der Professor Wohlfahrt kannte mich sehr gut aus dem Sport.
01:00:14: Als ich dann mit der Diagnose kam war das ein Schock für sie, weil sie hat mich engmarschig kontrolliert.
01:00:19: Das ist niemandem aufgefallen.
01:00:21: Dann kommt plötzlich so was!
01:00:23: Ja, und dann natürlich auch durch den Namen.
01:00:25: Durch die Erfolge, durch die Kontakte, die ich dann ja in der Charité hatte ging das unfassbar schnell.
01:00:30: Und ich bin unfassbarnankbar für diese Möglichkeit, dass man mir so schnell helfen konnte und dass mich die Ärzte danach wirklich so individuell betreut haben.
01:00:38: Das ist wirklich... Ein sehr großer Dank geht hier auch noch mal raus.
01:00:42: Und sie haben mich ja bis zu den Spielen mit begleitet und das alles möglich gemacht.
01:00:46: Sassen Sie auf der Tribüne?
01:00:47: Nein, leider nicht die Ärzte nicht.
01:00:49: aber ich meine einige von meinen Sponsoren und Familien und Freunde waren zum ersten Mal da und haben mich live schwimmen sehen.
01:00:56: Und dann hast du da sozusagen den Tod bezwungen... By the way, das lässt sich raushoperieren da so sensitiv wo es ist.
01:01:03: also
01:01:05: Das war eben die Schwierigkeit.
01:01:06: Man konnte das nicht ganz exakt rausschneiden, weil es ein diffuses Asterozitum war.
01:01:10: Was bedeutet man?
01:01:11: Man konnte dass von dem gesunden Gewebe nicht unterscheiden.
01:01:14: D.h.,
01:01:15: sie haben dann... ...das Gröbste rausgeschnitten und deswegen kamen dann die lange Nachbehandlung mit sechs Wochen Bestrahlung und dreizehn Monate Chemo um eben noch sicher zu gehen, dass alle Krebszellen getötet werden.
01:01:29: Du stehst jetzt aber unter dem Risiko, dass es wieder kommen kann?
01:01:31: Ja.
01:01:32: Ninundinzig Prozent!
01:01:34: Mit neunundensprozentiger Wahrscheinlichkeit kommt das wieder?
01:01:36: Ja.
01:01:36: Ich mach auch alle halbe Jahre in Kontrolle, Mathieu.
01:01:39: Wie fühlst du dich mit so einer Zeitbombe?
01:01:41: Ach ich würde es gar nicht als eine Zeitbambe beschreiben...
01:01:44: Ist gar nicht so okay, schuldige bitte!
01:01:46: Guck mal wenn ich immer daran denken würde.. ...ich könnte ja bald wieder Krebs haben da-.
01:01:50: ... kann ich mich direkt ins Grab leben.
01:01:53: Stimmt!
01:01:54: Also das wäre ja wirklich eine Zeitverschwendung im Leben, oder?
01:01:58: Ja, das stimmt.
01:01:58: Deswegen... also ich meine, ich kann ja auch morgens vom Bus überfahren werden.
01:02:02: Das ist mit meiner Blindheit gar nicht mal so unrelevant.
01:02:07: Also von daher es macht einfach keinen Sinn sich darüber Gedanken zu machen.
01:02:11: Wenn's soweit isst, kann ich darüber sprechen und darüber denken.
01:02:14: aber jetzt hab' ichs ja
01:02:16: nicht.
01:02:17: Also bist du da rausgegangen, bist dem Tod von der Schippe gesprungen?
01:02:20: Hast wieder mal sozusagen diese Resilienz aufgebracht und dann bist du mit dem Gedanken raus gegangen.
01:02:25: Jetzt möchte ich ein Kind haben um was zu
01:02:26: hinterlassen.".
01:02:28: Ja also auch Krebs war ein Learning für mich!
01:02:31: Ich wünsche niemanden Krebs ganz klar.
01:02:32: aber auch da habe ich gesagt okay was kann ich positiv ist daraus mitnehmen?
01:02:36: und es war zu einem dass ich gesagt hab mir richtig bewusst geworden wie Kurz meine Lebenszeit überhaupt ist und dass ich nichts mehr auf später verschieben möchte.
01:02:46: Ich habe ja auch aufgrund meiner Sportkarriere immer gesagt, ich mache das danach oder später or whatever.
01:02:51: Und jetzt sage ich mir, ich mach die Sachen, die ich machen will, mache ich jetzt vielleicht gibt es gar keinen später mehr.
01:02:56: Das war ein wichtiges Learning für mich.
01:02:58: und die andere Sache war wenn ich das schon alles durchlebt hab mit dem Krebs dann kann ich doch jetzt mal eine Erfahrung mit anderen Menschen, die jetzt aktuell betroffen sind frisch oder die Familienangehörige wurden.
01:03:11: Oder Freunde... Ich kann doch jetzt meine Erfahrungen mit denen teilen und sagen hey du bist nicht alleine!
01:03:17: Und gemeinsam stehen wir das durch.
01:03:19: so weil ich kenne das alles und kann es weitergeben.
01:03:23: Thema Kind?
01:03:23: Ich habe dann ganz bewusst gesagt ja ich möchte Wenn das alles abgeschlossen ist und ich mein großes Ziel mit dem Weltrekord erreicht habe, möchte ich dann Mama werden.
01:03:34: Und manche sagen es ist egoistisch aber ich finde das okay.
01:03:38: Das ist für mich wichtig gewesen dass ich ein Kind bekomme um einfach was von mir da zu lassen auf dieser Welt.
01:03:45: Hattest du trotzdem bisschen Bedenken?
01:03:47: Weil wenn dein Thema ja genetisch ist, dass du nichts sehen kannst, dass das auch so sein könnte
01:03:52: Bei meinem Kind?
01:03:53: Ja, auch damit habe ich mich befasst und hab einen Gen-Test machen lassen vorab.
01:03:59: Die Wahrscheinlichkeit besteht zu twenty-fünf Prozent, dass Klaus ihr das auch bekommt.
01:04:04: Also Klaus heißt mein Sohn.
01:04:06: Managebar würde ich sagen im Vergleich zu den neunundneinzig Prozent.
01:04:09: Ja aber auch da habe ich gesagt eigentlich egal was dabei rauskommt Auch wenn er die Sehbehinderung zu hundert Prozent gekriegt hätte Ich hätte es trotzdem gemacht weil wie ich jetzt auch selber weiß man kann wunderbar damit leben.
01:04:22: Deswegen habe ich mich ganz bewusst dazu entschieden.
01:04:25: Ich hab bei dir so ein paar Mal Formulierungen gehört, wieder mal ich bin da irgendwie anders und die Einzige von so'n zu viel Geschwistern.
01:04:34: Wie geht's dir so innerlich?
01:04:35: Damit hast du manchmal das Gefühl gehabt mit dir stimmt was nicht?
01:04:38: oder du hast besonderen Fahrt für dich gewählt, deine Seele ... Weißt du, was ich meine?
01:04:43: Bei dem, was dich alles schon erwischt hat, kann man ja durchaus ... Könnte ich verstehen wenn du sagst, ich fühl mich hier außerhalb der Reihe.
01:04:52: Ich finde das schön, weil man ist anders.
01:04:55: Und ich hab dann auch wirklich gelernt, anders sein ist eigentlich total cool.
01:05:00: Man fällt auf!
01:05:02: Man kann daraus viel mehr machen und ... Man kann das genießen, man kann es für sich als Stärke nutzen.
01:05:09: Das was ich ja jetzt auch mache.
01:05:11: Ich arbeite damit, ich inspiriere Menschen damit.
01:05:14: Ich gebe Menschen Kraft, Zuversicht, Mut... mich selbst erfüllt das auch komplett.
01:05:21: Und ich weiß, ich bin nicht umsonst auf dieser
01:05:23: Welt.".
01:05:24: So und jetzt müssen wir ganz kurz Mathematik machen also mit zwanzig gerne gewusst wie dass du diese Behinderung bekommen kannst was es bedeutet?
01:05:31: Dass du Speakerin wirst, dass du Unternehmerin wusstest, dass Du Mama wirst.
01:05:33: haben wir einzig noch vergessen?
01:05:36: Ich hatte noch zum Schluss glaube ich mir überlegt...ich hätte gerne gewusst, dass sich mich auf die Spiele zu Jahrzehntundzwanzig vorbereite weil ich eben gedacht habe oh Gott!
01:05:45: Wir machten so lange Sport Das wären ja meine fünften Spiele, überlegte das mal.
01:05:49: Die sind alle vier Jahre für alle, die das nicht wissen grade.
01:05:52: Alle vier Jahre haben wir die Paralympics und die Olympischen Spieler.
01:05:56: Ja, hätte ich damals das gewusst ... Hätte ich mich da auf eine sehr lange Reise begeben?
01:06:02: Und was ich auch gerne damals gewusst hatte in dem Zusammenhang LA, dass sich danach gerne eine Auszeit nehmen würde als auf einem Segelboot.
01:06:12: Ich hab jetzt für mich entdeckt, dass ich einfach mal ... auf einem Segelboot von A nach B schippern möchte, mit der Kraft der Natur.
01:06:21: Ganz minimalistisch auf dem kleinen Bötchen was mein Zuhause ist und ich möchte ja auch gerade ein Buch schreiben oder ich bin grad dabei ein Buch zu schreiben das dann auch achtundzwanzig rauskommen soll und ich werde das dann vielleicht auch verbinden.
01:06:36: Diktierst du und dann lasst ihr vorlesen?
01:06:39: Ja unter anderem also ich bin ja so einen Fan von digitalen Geräten, das heißt ich habe auch Blindstift nie gelernt.
01:06:48: Ich benutze...ich will jetzt keine Werbung machen aber ich benutze viele Apple-Produkte.
01:06:52: Das ist für mich wirklich was Barrierefreiheit angeht, favorite und da gibt es so viele Einstellungsmöglichkeiten ohne irgendwelche Software die ganze Zeit runterladen zu müssen Und das ist super!
01:07:03: Du kannst da diktieren du kannst das vorlesen lassen, du kannst auch Sachen scannen und das vermutiert dir das direkt um in Text und es ist einfach optimal.
01:07:15: Aber ich kann natürlich auch tippen, das geht auch.
01:07:18: Das tut klar, macht Sinn aber warum?
01:07:23: Ich meine du hast ja gesagt der Höhepunkt war eigentlich schon da verteidigt und ein Weltrekord kannst dann Haken eigentlich hintermachen.
01:07:30: Ja Und gut aufgepasst?
01:07:32: Eigentlich habe ich schon alles erreicht.
01:07:33: Ich muss nichts mehr beweisen, weder mir noch jemand anderen.
01:07:36: aber jetzt bin ich ja Mama geworden.
01:07:38: Ich hab immer eine neue Herausforderung gehabt Krebs und Behinderungen und Worteva Niederlagen.
01:07:45: Jetzt ist es halt die Neue Herausforderung dass ich in der Karriere Mama geworden bin Und mich ja jetzt extrem dafür einsetze, dass eben diese Regularien angepasst werden für alle Sportlerinnen die in ihrer Karriere Mama werden möchten.
01:07:58: Jetzt muss ich das natürlich auch beweisen, dass man zurückkommen kann und erfolgreich sein kann – auch nach einer Babypause!
01:08:05: Okay, dann mal was kommt denn dann nach Gold- und Weltrekord?
01:08:08: Doppelgold?
01:08:10: Naja auf jeden Fall möchte ich dann meine Goldmedaille verteidigen, ja das ist ganz klar.
01:08:13: Dann aber mit einem größeren Team ... mein Clausi kommt dann mit Das
01:08:18: Problem an, dann ist der Reihe so ein Problem.
01:08:22: Und ich muss dir sagen... Ich muss wirklich jetzt ganz ehrlich sagen es ist sehr herausfordernd!
01:08:27: Ich komme teilweise in meine Grenzen körperlich und auch mental.
01:08:31: mit so einem Baby alles unter einen Hut zu bekommen Profisportlerinnen zu sein gute Mama zu sein Geschäftsfrau zu sein Meine Firma zu führen.
01:08:40: Es ist heftig und das habe ich unterschätzt.
01:08:44: Aber was ist das Thema für ein schönes Statement fürs Muttersein, wenn sozusagen da mehr Anstrengungen drin liegt?
01:08:50: Also du schaffst eher einen Weltrekord und Gold mit Krebs als mit einem Kind.
01:08:57: Das darf man nicht unterschätzen!
01:08:58: Das ist wirklich heftig... ...und das habe ich unterschätzt aber wirklich bevor ich schwanger geworden bin.
01:09:06: Und was ist es, was dich sozusagen so an die Grenze führt?
01:09:09: Ist der Schlafmangel?
01:09:10: Ist es die Verantwortung?
01:09:11: Ist das emotional?
01:09:14: Ja, das ist eine Mischung von all dem.
01:09:17: Natürlich Schlafmangel ist ein wichtiger Faktor aber es fehlt diese Balance zwischen der Erholung weil du kannst dich nur im Sport weiterentwickeln wenn du eine gute Balance hast zwischen Belastung und Erholungen.
01:09:30: Und das gibt's bei mir aktuell noch nicht Weil wie gesagt mein Kind ist erst zehn Monate.
01:09:37: Natürlich muss ich auch ganz viel, vielen da sein.
01:09:39: Das ist mir wichtig und möchte das auch.
01:09:41: Aber nach so einer harten Trainingseinheit kann ich nicht kurz nach Hause mich hinlegen sondern dann muss ich für mein Kind da sein.
01:09:47: Und am Anfang zu Beginn als sich das Comeback quasi aufgebaut hat Nach der Entbindung war es auch emotional sehr schwierig für mich Mein Kind alleine zu lassen wenn es noch an mir quasi wortwörtlich hängt.
01:09:58: Ich habe noch gestillt und ich war unfassbar emotional in dieser Phase.
01:10:05: Ja, Wochenbett-Depressionen will ich nicht sagen.
01:10:08: Aber wir gingen's einfach schlecht!
01:10:09: Ich hab viel geweint und war so traurig... Und diese Phase hat mich auch sehr geprägt muss ich sagen.
01:10:13: aber ich gehe ja auch damit offen um und sag das ist halt so.
01:10:16: Das ist was Krasses wenn man ein Kind produziert und auf die Welt bringt.
01:10:22: Und ich weiß es hängt von mir ab und ich muss für ihn da sein.
01:10:25: Ich möchte es ja auch.
01:10:27: Aber ich habe noch viele andere Aufgaben.
01:10:29: und diesen Spagat zu machen zwischen all den Dingen.
01:10:33: Emotional so schwer und dann auch irgendwann körperlich.
01:10:37: Ich bin halt der Meinung, es gibt ein paar Erfahrungen im Leben.
01:10:40: Wahrscheinlich krebs leider auch aber vor allem Kinder die man erst versteht wenn man sie durchmacht.
01:10:46: ja
01:10:46: kann man zwar intellektuell begreifen ich werde wenig schlafen ich muss irgendwie mich nach dem Kind regnen bla bla bla.
01:10:53: Aber wie's ist sich anfühlt wenn du drin steckst merkst du erst wenns glaube ich das
01:10:58: da bin ich ganz bei dir.
01:11:00: Ja
01:11:00: Gibt es irgendwas zum Abschluss unseres Gesprächs, was für dich noch über dich spannend wäre zu wissen?
01:11:06: Weil ich mich die ganze Zeit so ein bisschen dabei ertappe.
01:11:08: Ob ich dich nach Sachen frage, die du schon hundertmal erzählt hast.
01:11:11: So Krebs nicht sehen können.
01:11:13: Was bedeutet das zu schwimmen?
01:11:15: Steckt noch etwas in dir, was wir heute vielleicht mitnehmen können und wo du sagst, das ist eigentlich total spannend aber ich rede da gar nicht so viel drüber.
01:11:22: Na ja mein neues Projekt mit dem Segelboot, dass ist noch sehr frisch.
01:11:25: Das habe ich noch gar nicht oft irgendwo im Medien erzählt.
01:11:29: Wir haben ja jetzt auch erst unseren Segelschein gemacht, wir konnten bis dato gar nicht segeln.
01:11:34: Und
01:11:35: mein Mann hat dann während meiner Schwangerschaft ein Segelsschein gemacht und ich als Blindpassagier mitgeübt.
01:11:40: Ich darf hier offiziell keinen machen aufgrund der Sehbehinderung.
01:11:44: Jetzt hat er quasi die ganzen Prüfungen gemacht und hat auch seinen Schein.
01:11:49: Und ich bin jetzt quasi so als Anhängsel dabei und kann ein bisschen segeln aber natürlich nicht offiziell mit dem Schein.
01:11:55: Aber wir können trotzdem ... wenn wir das üben, uns auf die See begeben.
01:12:01: Und das finde ich irgendwie so spannend weil es ist glaube ich dann noch mal ein neues Kapitel.
01:12:05: Wir drei auf so einem Boot.
01:12:06: Was ist denn das?
01:12:07: Also wie kommt das zu euch?
01:12:09: Wie hat das zu Euch gefunden?
01:12:10: Ich glaube, wenn man fünfzehn Jahre total am Ackern ist und immer nach vorne und immer Leistungsdruck und immer abliefern, immer wieder ohne Pausen... ...ich hatte dann irgendwann einen Buch gelesen.
01:12:22: Ich glaube, sieben Farben Blau hieß das Buch und es hat mich so abgeholt.
01:12:25: Es war kurz vor den Spielen in Paris.
01:12:28: Das war eine ganz heiße Phase wo auch unfassbar viel Druck war.
01:12:32: Selbst verschuldet natürlich weil ich das hier gesteckt habe und die Presse war natürlich ganz heiß drauf ob man das schaffen kann nach so einer Krebsdiagnose.
01:12:40: Und das Buch hat mich geerdert und hat mich beruhigt und ich hab mir das so in meiner Kopf... Ich hab ne blühende Fantasie, hab' ich mir das vorgestellt.
01:12:50: Genau das möchte ich auch mal erleben.
01:12:52: Einfach mit meinem Boot von Küst zu Küste schippern, für mich alleine oder... Mit der Familie natürlich!
01:12:59: Aber sagst du was Interessantes?
01:13:00: Wie war denn die Resonanz?
01:13:02: Wenn du sagst Presse war da ganz hungrig drauf und dann hat es ja wirklich noch geknappt mit so einem bombastischen Knall wie war dein Leben danach?
01:13:09: Ich hatte natürlich ein wildes Leben danach mit vielen Pressaanfragen, Einladungen mehrere Monate danach noch die ganzen Sachen abgearbeitet.
01:13:19: Ich hatte dann bis Januar, quasi in September waren die Spiele und bis Janua habe ich dann noch
01:13:24: durchgearbeitet.".
01:13:26: Das war eine sehr intensive Phase!
01:13:28: Ich würde sagen, das ist ein sehr intensives Leben auch, oder?
01:13:30: Das
01:13:30: hab' ich.
01:13:31: Mir wird nie langweilig wie du siehst.
01:13:32: Immer ist irgendwas los bei mir.
01:13:36: Also Elena Semeshin Gucken, kriegen wir noch zusammen also.
01:13:39: Mit zwanzig hätte sie gerne gewusst erstens wie es ist wenn man die Behinderung überkommt dass es auch ein Leben jenseits dessen gibt.
01:13:45: zweitens das du mal Unternehmerin wirst drittens dass du mal Speakerin würst viertens dass du während der Karriere Mama wirst und fünftens da sich das sogar nochmal bis nach Los Angeles zwanzich achtundzwanzig treibt und von dort aus dann direkt auf Segelboot kann man so stehen lassen.
01:14:00: vielen Dank
01:14:01: ich danke dir für den interessanten Austausch.
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